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Rezension: Sachbuch : Wissenschaftler oder politischer Ökonom?

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Eine Studie über das Denken und Wirken von John Kenneth Galbraith

          3 Min.

          James Ronald Stanfield: John Kenneth Galbraith. Macmillan, London-Basingstoke 1996, 185 Seiten, 40 Pfund.

          Der wissenschaftliche Wert der wirtschaftstheoretischen Schriften von John Kenneth Galbraith wird in Fachkreisen immer wieder in Zweifel gezogen, der kommerzielle Erfolg seiner Bücher hingegen ist eine unbestrittene Tatsache. Galbraith gehört zu den bekanntesten und den am meisten zitierten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern, er ist eine prominente Figur der amerikanischen Nachkriegsgeschichte, für deren wirtschaftliche Entwicklung er Erklärungen gefunden und schlagwortartige Begriffe geprägt hat.

          Diese Art des Schreibens hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition. In seinem Buch über Galbraith ordnet James Ronald Stanfield den Wirtschaftswissenschaftler und Politiker in diese Tradition ein. Wie viele amerikanische Gelehrte, die Praxis und Theorie miteinander verbinden, ist Galbraith dem Umfeld des Institutionalismus zuzurechnen: In der Nachfolge von Thorsten Veblen betrachtet Galbraith die Wirtschaft als einen Prozeß der technologischen Weiterentwicklung. Dieser Prozeß wird von Institutionen gesteuert, deren Bestand durch das Prinzip der menschlichen Trägheit gesichert wird. Wirtschaft bedeutet in dieser Sichtweise im wesentlichen die Anpassung der sozialen und moralischen Handlungsweisen der Menschen an die veränderten Produktionsbedingungen, die den technologischen Neuerungen folgen.

          Das Denken von Galbraith gehört in diesen Zusammenhang. Eine kurze biographische Skizze am Beginn des Buches von Stanfield zeigt es: John Kenneth Galbraith, 1908 im südlichen Ontario (Kanada) als Sohn eines sozial und politisch engagierten Farmers geboren, hat von 1926 bis 1931 Agrarökonomie am Ontario Agricultural College studiert. Danach hat er - mit einem Stipendium für die Vereinigten Staaten - in Berkeley 1934 seinen Doktortitel erworben. Danach hat er in Harvard unterrichtet; inzwischen ist er emeritiert. Immer wieder hat Galbraith seine Lehrtätigkeit unterbrochen und - wie es guter amerikanischer Tradition entspricht - eine aktive Rolle in Verwaltung und Politik übernommen: Zu Zeiten des New Deal hat er im Landwirtschaftsministerium gearbeitet, während des Zweiten Weltkrieges ist er mit der Ausarbeitung von Preiskontrollmechanismen betraut gewesen und hat mit anderen versucht, die Versorgung der Zivilbevölkerung zu sichern. Aus seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkrieges ist die 1952 erschienene Schrift "A Theory of Price Control" hervorgegangen, in der sich zumindest ansatzweise die Grundlagen seiner in den späteren Schriften entwickelten Theorie finden lassen.

          Nach dem Krieg hat Galbraith die Präsidentschaftskandidaten Adlai Stevenson und John F. Kennedy unterstützt. In den frühen sechziger Jahren ist er zum Botschafter in Indien ernannt worden, später hat er zu den namhaften Kritikern des Vietnamkrieges gezählt. Galbraith' praktisches Engagement zeugt nicht nur von Pragmatismus, es ist auch theoretisch fundiert. In seinem Denken über die Funktionsweise der Wirtschaft existiert keine scharfe Trennlinie zwischen Ökonomie, Politik und Gesellschaft.

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