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Rezension: Sachbuch : Was Ideen bewirken können

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Hardy Bouillon (Herausgeber): Do Ideas Matter? Centre for the New Europe, Trier/Brüssel 2001, 163 Seiten, 12,78 Euro.Der Trierer Philosophieprofessor Gerard Radnitzky hat mit seinen Ansichten noch nie hinterm Berg gehalten - selbst wenn die politische Korrektheit dadurch in Frage gestellt wurde. Er ist durch und durch Individualist und Verfechter der reinen Marktwirtschaft.

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          Hardy Bouillon (Herausgeber): Do Ideas Matter? Centre for the New Europe, Trier/Brüssel 2001, 163 Seiten, 12,78 Euro.

          Der Trierer Philosophieprofessor Gerard Radnitzky hat mit seinen Ansichten noch nie hinterm Berg gehalten - selbst wenn die politische Korrektheit dadurch in Frage gestellt wurde. Er ist durch und durch Individualist und Verfechter der reinen Marktwirtschaft. Ihm hat einer seiner Schüler, Hardy Bouillon, Direktor des Centre for the New Europe, eines marktliberalen Think-tank in Brüssel, eine Aufsatzsammlung gewidmet. Die prominenten Autoren, die allesamt dem liberalen Spektrum angehören, widmen sich vor allem einer Frage, die sich jeder politisch denkende Intellektuelle stellen muß: Was können Ideen eigentlich bewirken? Bestimmen nicht andere Faktoren - zum Beispiel Interessen - das wirtschaftspolitische Geschehen? "Do Ideas Matter?" lautet denn auch der Titel des englischsprachigen Buches.

          Die Frage wird von vielen Seiten beleuchtet. Bouillon selbst setzt sich in seinem einführenden Beitrag mit dem Kampf um die Interpretation und Besetzung von Begriffen auseinander, etwa die "soziale Gerechtigkeit". Der anglo-ungarische Philosoph Anthony de Jasay examiniert gründlich die Idee, daß Verfassungsregeln politische Prozesse eindämmen und (nicht nur ökonomische) Freiheiten bewahren könnten. Daran will er nicht so recht glauben. Letztlich seien auch diese Regeln immer der Politik unterworfen und durch sie veränderbar. Der amerikanische Historiker Ralph Raico - einer der besten Kenner des deutschen Liberalismus - analysiert die volkstümlichen (von Marxisten stets genährten) Geschichtsmythen über Kapitalismus und industrielle Revolution. Das populäre Bild vom freien Markt als Ursache von Verelendung gerät hier ins Wanken. Der in Australien lehrende Ökonom Wolfgang Kasper seziert das Phänomen des ökonomischen Populismus, der meist dem Protektionismus das Wort redet. Immerhin weiß er von Beispielen zu berichten, bei denen dieser Populismus besiegt wurde, namentlich Neuseeland in den achtziger Jahren.

          Wirklich optimistische Töne schlägt nur Arthur Seldon an. Seldon war langjähriger Direktor des Institute of Economic Affairs in London, das entscheidend zur intellektuellen Vorbereitung der marktwirtschaftlichen Thatcher-Revolution beitrug. Mit seinen vier klar definierten Schritten, mit denen man einen überbordenden Wohlfahrtsstaat abbauen kann (zu denen vor allem Kostentransparenz für die Bürger gehört), ist er derjenige, der die konkretesten Tips dafür gibt, wie man Ideen für die Marktwirtschaft nutzt. Darüber sollte in der Tat öfter nachgedacht werden.

          DETMAR DOERING

          (Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Potsdam)

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