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Rezension: Sachbuch : Volkswirtschaftslehre im Umbruch

  • Aktualisiert am

Ein ebenso spannendes wie riskantes Konzept

          4 Min.

          Jürgen von Hagen/Axel Börsch-Supan/ Paul J. J. Welfens (Herausgeber): Springers Handbuch der Volkswirtschaftslehre. Band 1: Grundlagen; Band 2: Wirtschaftspolitik und Weltwirtschaft. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 1996, 392 und 450 Seiten, jeder Band 49,80 DM.

          Die Idee ist mutig: In diesem Handbuch sollen die wichtigsten neuen Entwicklungen innerhalb der Volkswirtschaftslehre für Interessenten mit soliden Grundkenntnissen zusammengefaßt werden. Als Leser werden vor allem Studenten im Hauptstudium, aber auch Ökonomen in Unternehmen, Forschungsinstituten und Verbänden angesprochen. Unter den zwanzig Autoren befinden sich sowohl jüngere Fachleute (Stefan Homburg, Jürgen von Hagen) wie renommierte Vertreter professoralen Standes (Wolfgang Franz, Manfred J. M. Neumann). Die dreißig bis fünfzig Seiten umfassenden Beiträge sind vor ihrer Veröffentlichung von externen Gutachtern geprüft worden. Viele Literaturhinweise erleichtern den Zugang zur überwiegend angelsächsischen Spezialliteratur.

          Das ebenso spannende wie riskante Konzept, anstelle der üblichen Standard-Lehrmeinungen über den aktuellen Stand der Forschung zu informieren, stellt hohe Anforderungen an die Stoffauswahl. Wer vermag schon zuverlässig zu beurteilen, ob ein gerade aktuelles Forschungsprojekt die Disziplin nachhaltig prägen oder bald in Vergessenheit geraten wird? Um den subjektiven Charakter ihrer Themenwahl zu verstärken, haben einzelne Autoren ihre Beiträge sogar in der Ich-Form verfaßt.

          Wollte man die neueren Entwicklungen stichwortartig zusammenfassen, wäre das machtvolle - und durchaus auch kritisch gesehene - Vordringen der Spieltheorie als Analyseinstrument ebenso zu erwähnen wie die zunehmende Bedeutung empirischer Untersuchungen und die damit verbundene Aufwertung der Ökonometrie. Das Interesse an internationalen Vergleichen der Wirtschaftspolitik ist ebenfalls gewachsen. Die Autoren des Handbuches bleiben aber sonst durchweg auf dem Boden der Hauptströmungen in der Wirtschaftstheorie. Hinweise auf alternative Lehrmeinungen wie den Neo-Ricardianismus finden sich kaum. Die jüngeren Ökonomen scheinen sich ohnehin weniger für ideologische und dogmatische Hahnenkämpfe zu begeistern. Den meisten Beiträgen fehlt jedenfalls jene Heilsgewißheit, mit denen zum Beispiel führende Keynesianer und Monetaristen vor dreißig Jahren ihre Veröffentlichungen begleitet haben. Leidet der Nachwuchs unter "postmodernen Zweifeln grundsätzlicher Art" (Y. Varoufakis), wie in den Ausführungen zur Spieltheorie angedeutet wird?

          Band I des Handbuches enthält im wesentlichen Artikel zur Theorie. Wolfgang Leininger (Universität Dortmund) beschreibt die Weiterentwicklung der Mikroökonomik von der Gleichgewichtstheorie zur spieltheoretischen Forschung, mit der das strategische Verhalten der Teilnehmer am Wirtschaftsprozeß untersucht wird. Für die Makroökonomik stellt Stefan Homburg (Magdeburg) fest, "daß in der Forschung heute die Neoklassische Methode vorherrscht und die verbliebenen Keynesianischen Ingredienzien . . . der sechziger und siebziger Jahre weitgehend ausgemerzt sind". Schwerpunkte seines Beitrages sind die entscheidungslogische Absicherung der Makroökonomik sowie die Nutzung von Generationenmodellen in der Wachstumstheorie. Die stetige Neuentwicklung quantitativer Verfahren steht im Mittelpunkt der Beiträge zur Ökonometrie von Gerd Ronning (Tübingen) und zur Empirischen Makroökonomik von Peter Kugler (Bern).

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