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Rezension: Sachbuch : Volkshochschule im besten Sinne

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Wirtschaftliches und rechtliches Grundwissen

          Hermann May: Wirtschaftsbürgertaschenbuch. Wirtschaftliches und rechtliches Grundwissen. Unter Mitarbeit von Ulla May. R. Oldenbourg Verlag, München/Wien 1994, 519 Seiten, 49,80 DM.

          Die Autoren haben sich vorgenommen, dem überforderten Bürger bei der Bewältigung seiner wirtschaftlichen Alltagsschwierigkeiten zu helfen. Das ist ihnen gelungen. Daß sie ihr Kompendium ein Taschenbuch nennen, ist freilich maßlos untertrieben: Die Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge, das Dickicht rechtlicher und politischer Normierungen in Deutschland sprengt jedermanns Manteltaschen.

          Dem Bürger als Konsument und als Arbeiter gelten die beiden Hauptteile des Nachschlagewerkes. Er erfährt, welches Recht er als Verbraucher und welche Pflichten er gegenüber seinem Arbeitgeber und seinen Kollegen hat. Die Einträge bestechen durch ihre Knappheit; sie sind in einer Sprache gehalten, die nahezu keine Vorkenntnisse erfordert. Das ist Volkshochschule im besten Sinne des Wortes: belehrend, unprätentiös, hilfreich. Daß der Leser eine Vielzahl von Anschriften findet (zum Beispiel Kontaktadressen für Verbraucherfragen, Schlichtungs-, Beratungs-, und Gutachterstellen), darf man besonders verbraucherfreundlich nennen.

          Der positivistische Grundton des Buches führt freilich häufig zu einem Stil spröder Langeweile. Die Autoren enthalten sich jeglicher Wertung; sie wollen einfach sagen, was gilt und wie es ist. Auf den Gedanken, daß Wirtschaft auch für den daran teilnehmenden Bürger ein spannendes Geschäft ist, welches Risiken und Dynamik kennt, verfällt man bei der Lektüre nicht. Dramatik wird stillgestellt. Aber das ist womöglich auch nicht Aufgabe eines Nachschlagewerkes.

          Indessen wirkt sich dieser Nachteil vor allem im dritten Hauptteil des Buches aus, der - etwas mißverständlich - mit "Gesellschaft" überschrieben ist. Angemessener wäre die Überschrift "Wirtschaftspolitik" gewesen. Denn nachgezeichnet wird die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die Regeln des Wettbewerbs und die Ordnung des Marktes durch Staat, Verbände und Gewerkschaften. Skizziert werden die wirtschaftlichen Programme aller Parteien; auch Auszüge aus den Grundsatzpapieren der PDS und der Republikaner werden abgedruckt. RAINER HANK

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