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Rezension: Sachbuch : Über den Shareholder Value hinaus

  • Aktualisiert am

Unternehmenserfolg kommt aus der "Wahrnehmungswelt der Kunden"

          4 Min.

          Olaf G. Rughase: Jenseits der Balanced Scorecard: Strategische Wettbewerbsvorteile messen. Cognitive Strategy Concepts (Cosco), herausgegeben von Franz Liebl, Logos-Verlag, Berlin 1999, 121 Seiten, 69 DM.

          "Seit geraumer Zeit scheint es, als hätten inhaltliche Überlegungen im strategischen Management erst einmal ausgedient. Mit dem Aufkommen des Shareholder Value geriet die Strategie zum Investitionsobjekt. Das Erfüllen von Renditevorgaben wurde zum Ausdruck strategischen Erfolgs, die Benchmark selbst gar als Inkarnation strategischen Denkens ausgegeben." So äußert sich Franz Liebl im Vorwort zu Olaf Rughases Schrift "Jenseits der Balanced Scorecard". Und Till Novotny wirft angesichts des Zeitgeistes einer von Kapitalinteressen dominierten Wirtschaft in seinem Geleitwort sogar die ebenso mokante wie erboste Frage auf, warum man sich eigentlich überhaupt noch Gedanken über Strategie und Wettbewerbsvorteile machen sollte, gehe es doch nur noch um den Shareholder Value.

          Alfred Rappaport, "Erfinder" des Shareholder-Value-Gedankens, hat sich angesichts der vielen Missverständnisse in seiner leichtgläubigen Anhängerschaft schon längst zu Präzisierungen argumentativer Undeutlichkeiten in seiner Theorie herbeigelassen und - nachdem zum Teil verheerende Schäden durch unreflektierte Umsetzung seiner Theorie in weiten Teilen der Wirtschaft verursacht worden sind - verkündet, dass "eine Neubewertung der Grundprinzipien des Shareholder Value erforderlich sei".

          Rappaport selbst kritisiert, dass Personalfreisetzungen "ein Nebeneffekt der Unfähigkeit oder eines früheren Versagens des Managements (sei), wertorientierte Strategien in früheren Jahren zu verfolgen". Später hat er, wie Novotny zitiert, einschränkend argumentiert, dass ein Personalabbau "die langfristige Produktivität der verbleibenden Arbeitskräfte negativ beeinflussen" könne. Die gegenseitige Abhängigkeit von Eigentümern und anderen Anspruchsgruppen erfordere, dass sie sich im Rahmen einer Partnerschaft für Wertsteigerung einsetzten und dazu den Prozess der Werteteilung als gerecht erachteten.

          "Werteschaffung ist jedoch ein langfristiges Phänomen. Der Blick auf ein einzelnes Jahr verrät wenig über die langfristige Fähigkeit der Cash-Generierung eines Geschäfts", sagt Rappaport und beklagt, dass Führungskräfte durch falsche Entlohnungsprinzipien zu einer Kurzfrist-Orientierung getrieben werden, die der Sache der Eigentümer und anderer beteiligter Gruppen nur schaden könne: "Die Überzeugung, an wertsteigernden Investitionen ungeachtet anfänglicher Skepsis der Aktienmärkte festzuhalten, steht in der besten Tradition des Shareholder-Value-Managements." Die Dauer der Wertsteigerung, bis die Rendite schließlich die Kapitalkosten übersteige, könne selbst bei Unternehmen mit nachweislichen Wettbewerbsvorteilen 15 bis 25 Jahre betragen, zitiert Novotny Rappaport.

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