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Rezension: Sachbuch : Strategisches Denken

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Bolko von Oetinger/Tiha von Ghyczy/Christopher Bassford (Herausgeber): Clausewitz. Strategie denken. Carl Hanser Verlag, München 2001, 208 Seiten, 24,90 Euro.Financial Times: Mastering: Strategie. Das gesammelte Wissen der weltweit führenden Business-Schools. Financial Times Deutschland/Financial ...

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          Bolko von Oetinger/Tiha von Ghyczy/Christopher Bassford (Herausgeber): Clausewitz. Strategie denken. Carl Hanser Verlag, München 2001, 208 Seiten, 24,90 Euro.

          Financial Times: Mastering: Strategie. Das gesammelte Wissen der weltweit führenden Business-Schools. Financial Times Deutschland/Financial Times Prentice Hall, München 2001, 556 Seiten, 49,95 Euro.

          Über Unternehmensstrategien ist in den vergangenen vierzig Jahren viel geschrieben und philosophiert worden. Dennoch ist das Thema immer noch wenig faßbar. Es gibt verschiedene Strategielehren, die in Konkurrenz zueinander stehen, und selbst bekannte Unternehmen leiden unter einem zum Teil erschreckenden Defizit an strategischem Denken. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, zum einen zu den historischen Wurzeln zurückzukehren und zum anderen die führenden Business Schools zu Wort kommen zu lassen. Ersteres leistet die unter der Federführung von Bolko von Oetinger, Boston Consulting Group, herausgegebene Schrift. Das Credo der drei Herausgeber lautet: Schlag nach bei Carl von Clausewitz (1780 bis 1831). Die drei Strategieexperten meinen zu Recht, daß das immer wieder zitierte, dennoch von den wenigsten tatsächlich gelesene Werk des preußischen Generals und Militärtheoretikers "Vom Kriege" heute so aktuell ist wie zu der Zeit des Übergangs vom späten aufgeklärten Absolutismus zur Neuzeit - einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit.

          Für von Clausewitz bedeutet Strategie nichts Abgehobenes, sondern ganz schlicht kluge Wege des Denkens. Strategisches Denken erfordert ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis sowie das dialektische Durchspielen der Spannungssituationen. Der Erfolg einer Strategie läßt sich dennoch nicht programmieren; hierzu bedarf es stets auch der Fortüne im taktischen situationsgebundenen Vorgehen. Die Lektüre dieses Buches ist lohnend vor allem für den historisch interessierten Leser, der mehr wissen will über die Strategien und Taktiken bedeutender Feldherren. Dennoch läßt die Aufbereitung für Manager, die eigentliche Zielgruppe des Buches, zu wünschen übrig. In einer zweiten Auflage sollten die Herausgeber tiefer gehen und es nicht bei der gutgemeinten Zusammenstellung und Aufbereitung prägnanter Aussagen aus dem Werk von Clausewitz belassen. Man wünscht sich den konkreten Bezug zu unternehmerischen strategischen Meisterleistungen und Fehlschlägen. An guten und abschreckenden Beispielen mangelt es in der Wirtschaft nicht.

          Das von der Financial Times herausgegebene Sammelwerk bietet eine fast schon verwirrende Vielfalt von Beiträgen, die mit der Entwicklung und praktischen Umsetzung von Unternehmensstrategien zu tun haben. Behandelt werden unter anderem die Wechselwirkungen zwischen Strategie auf der einen Seite sowie Mikroökonomie, Globalisierung, Unternehmenskultur, Technologie, Shareholder Value/Corporate Governance sowie Risikomanagement auf der anderen Seite. Hier kommen die Dozenten bedeutender Business Schools wie University of Chicago, Insead, University of Michigan und Said Business School in wohltuend kurzen, nicht theorielastigen Beiträgen zu Wort. Eine durchgängige Botschaft verkünden sie allerdings nicht. Auch ist die Qualität der Beiträge sehr unterschiedlich; der Leser ist gut beraten, wenn er einzelne Artikel gezielt auswählt. Er muß nicht alles lesen und darf auch nicht erwarten, danach einen Masterplan entwickeln zu können.

          Beide Schriften sind keine Leitfäden, aus denen man Patentrezepte ableiten kann. Allerdings kann die Lektüre zu einer Renaissance des strategischen Denkens inspirieren, das sich nicht auf den Einsatz von Werkzeugen reduziert. So werden Unternehmer hoffentlich in die Lage versetzt, zu beherzigen, was erfolgreiche Strategien ausmacht: den Raum der eigenen Handlungsmöglichkeiten auszuloten und den Gegner, das heißt die Wettbewerber, mit konsequent umgesetzten Strategien, die von gängigen "Best Practices" abweichen, zu überraschen.

          ROBERT FIETEN

          (Management-Forschungs-Team, Köln)

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