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Rezension: Sachbuch : Reichlich Stoff für Süchtige

  • Aktualisiert am

Murray Rothbards Manifest für die totale Marktwirtschaft

          Murray N. Rothbard: Eine neue Freiheit. Das libertäre Manifest. Stefan P. Kopp Verlag, Berlin 1999. 318 Seiten, 24,80 DM.

          Wer die gegenwärtige Wirtschaftspolitik in Deutschland für zu wenig marktwirtschaftlich hält, mag schlichtweg nur einsichtig sein. Wem hingegen die Einsichten der klassischen liberalen Ökonomen von Adam Smith bis Milton Friedman immer noch nicht genug bieten, der könnte vielleicht sogar süchtig sein. Für ihn gibt es jetzt auch in deutscher Sprache, was bisher nur auf amerikanisch verfügbar gewesen ist: die harte Dosis an Marktwirtschaft.

          Murray N. Rothbard, der 1995 gestorben ist, hat in seinen Schriften zeitlebens das von der Linken gerne beschworene (aber nie real existierende) Gespenst des "Kapitalismus pur" übertroffen. Sein 1973 erstmals erschienenes Buch "For A New Liberty", das nun endlich in deutscher Übersetzung vorliegt, ist der Stoff für den hartgesottenen Marktwirtschaftskämpfer. In den Vereinigten Staaten ist das Buch zum wahren Kultbuch geworden - zur Bibel der "Libertarians" (wie sich dort die wahren Liberalen nennen müssen, weil der Begriff "liberal" in Amerika zur Bezeichnung einer sozialdemokratischen Gesinnung benutzt wird). Mit Kleinigkeiten hält sich Rothbard in dem Buch nicht auf.

          Die Privatisierung der Telekommunikation, die damals noch als aberwitzige Wahnvorstellung behandelt worden ist, erwähnt er kaum. Es dominieren die Tabuthemen. Rothbard glaubt an ein unveräußerliches Naturrecht des einzelnen auf sich und alles, was er friedlich erarbeitet oder erwirbt. Daraus ergeben sich für ihn logisch Fragen: Warum keinen freien Markt für Drogen? Oder für Pornographie? Aber damit hat er den Leser erst auf die wirklich unkonventionellen Thesen seines Buches vorbereitet. Der Markt, der sich auf dem natürlichen Eigentumsrecht und der entsprechenden Rechtsordnung aufbaut, sei nach Maßgabe der konventionellen Lehre von der Materialwirtschaft effizienter bei der Ressourcenallokation als der staatliche Plan. Deshalb, so lautet die konventionelle Weisheit, müsse der Schutz der Rechtsordnung dem Staat überlassen werden. Daß diese These nicht ganz ohne inneren Widerspruch ist, stellt Rothbard mit großer Gedankenklarheit fest. Wenn der Markt effizienter als der Staatsplan sei, warum könnte man ihm nicht auch den Schutz der inneren Sicherheit überlassen? Bei seiner Argumentation für die "private Sicherheitsproduktion" geht Rothbards Liberalismus immer mehr in einen radikalen "Anarcho-Kapitalismus" über. Dabei schreckt er nicht einmal vor dem Gedanken der Privatisierung der äußeren Sicherheit zurück. Spätestens hier, wo ihn seine Argumente zu einem übergebührlichen Herunterspielen der Gefährlichkeit der Sowjetunion in den siebziger Jahren verführt, werden wohl selbst bei ultramarktliberalen Lesern Zweifel aufkommen.

          Wer das Buch deshalb gleich als abwegig verwirft, handelt nicht nur kleinlich. Er entledigt sich auch eines Hilfsmittels zum kritischen Denken. In einer real funktionierenden Marktwirtschaft muß jede Staatstätigkeit zunächst einmal als Ausnahme von der Regel gelten. Rothbards Buch liefert auch sechsundzwanzig Jahre nach seinem Erscheinen immer noch einen Maßstab, der es uns erlaubt, die richtigen (wenngleich unbequemen) Fragen zu stellen. Nichts darf in einer freien Gesellschaft widerspruchslos kollektiven Instanzen überlassen werden. Dieses kritische Fragen hat keiner so gut verstanden wie Rothbard. Schon deshalb ist es zu begrüßen, daß man nun auch hierzulande die harte Dosis seiner Ideen genießen kann.

          DETMAR DOERING

          (Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Königswinter)

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