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Rezension: Sachbuch : Produktionswirtschaft auf aktuellem Stand

  • Aktualisiert am

Eine Fundgrube für Wissenschaftler, Studenten und Praktiker

          2 Min.

          Werner Kern/Hans-Horst Schröder/Jürgen Weber (Herausgeber): Handwörterbuch der Produktionswirtschaft. 2. Auflage, C. E. Poeschel Verlag. Stuttgart 1996, 2462 Spalten, 345 DM.

          Als Band VII der renommierten Enzyklopädie der Betriebswirtschaftslehre ist siebzehn Jahre nach der von Werner Kern herausgegebenen ersten Ausgabe eine zweite, völlig neu gestaltete Auflage erschienen. Kern ist bis zu seiner Emeritierung Lehrstuhlinhaber an der Universität Köln gewesen; Hans-Horst Schröder lehrt an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Jürgen Weber an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) - Otto-Beisheim-Hochschule Vallendar. Das Ziel des Handwörterbuches liegt darin, den aktuellen betriebswirtschaftlichen Erkenntnisstand der Produktionswirtschaft zu dokumentieren. Produktion wird hier - entgegen landläufiger Meinung - nicht nur als Sachgüterproduktion, sondern auch als Dienstleistungsproduktion verstanden.

          Das Handwörterbuch enthält die stattliche Zahl von knapp 200 Beiträgen, die vor allem von betriebswirtschaftlichen Hochschullehrern, aber auch von Ingenieuren, Juristen und auf bestimmte Themen spezialisierten Praktikern geschrieben worden sind. Die komplexen Stichwortthemen sind zum guten Teil in der für ein Handwörterbuch gebotenen Kürze, dennoch mit Akribie und Umsicht behandelt worden. Querverweise vor und in den einzelnen Artikeln sowie weiterführende Literaturangaben erleichtern eine tiefer gehende Erschließung der speziellen Sachgebiete. Die berücksichtigten Themen reichen von Beschaffung und Logistik über Produktionsplanung und -steuerung bis hin zu Abfall und Entsorgung sowie Recycling und Downcycling. Darüber hinaus findet der Leser eine Reihe von Artikeln, die sich mit der bei Betriebswirtschaftlern an den Universitäten seit den grundlegenden Arbeiten von Erich Gutenberg, dem Nestor der modernen Betriebswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum, beliebten Produktionstheorie auseinandersetzen oder die sich mit methodischen, technischen und organisatorischen Fragen des Produktionsmanagements befassen. Es fällt schwer, einzelne Beiträge besonders hervorzuheben. Gleichwohl kann es wohl kaum überraschen, daß die Qualität der Abhandlungen unterschiedlich zu beurteilen ist, wenn man die Kriterien Neuigkeit der vermittelten Inhalte, Ausgewogenheit der Stichwortbearbeitung und Gehalt für die betriebswirtschaftliche Theorieentwicklung einerseits sowie Praxisrelevanz andererseits zugrunde legt. Zu kurz kommen Fragen der internationalen Allokation von Wertschöpfungsaktivitäten, die in Zeiten der Globalisierung und einer lebhaften Diskussion über den Industriestandort Deutschland eine von Jahr zu Jahr größer werdende Bedeutung gewinnen. Ebenso fällt auf, daß einige Artikel inhaltlich zwar kenntnisreich verfaßt worden, dennoch (zu) allgemein gehalten sind und einen direkten Bezug zur Produktionswirtschaft allenfalls am Rande erkennen lassen. Gleichwohl bietet das Handwörterbuch insgesamt einen ausgezeichneten Überblick über den aktuellen Stand der produktionswirtschaftlichen Forschung und Lehre in Deutschland (vor allem an deutschsprachigen Hochschulen). Für Praktiker, die nicht die schnell umsetzbaren Patentrezepte suchen, ist eine selektive Lektüre interessant und lehrreich. Die einzelnen Stichwortartikel bieten durchweg einen gut strukturierten Einstieg in wichtige Themen. Die begriffliche Prägnanz und die Systematik, mit der die Spezialfragen von den Autoren behandelt worden sind, helfen dem Praktiker, seine Problemsicht und sein Problemverständnis zu schärfen - eine wichtige Voraussetzung für darauffolgende ausgewogene Entscheidungen. Für Studierende, aber auch für gestandene Wirtschaftswissenschaftler ist das Handwörterbuch eine Fundgrube, in der es eine Menge zu entdecken gibt. Das gediegene Erscheinungsbild des Buches sollte indessen nicht dazu verleiten, es lediglich als Schmuckstück im Bücherschrank zu bewundern. ROBERT FIETEN

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