https://www.faz.net/-gqz-31ss

Rezension: Sachbuch : Politische Ökonomie und Wirtschaftsliberalismus, Arbeitsmarktchancen und europäische Integration

  • Aktualisiert am

orn. FRANKFURT, 12. Oktober. Die Zahl der jährlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt ist kaum noch überschaubar. Auch die Kreativität der wissenschaftlichen Autoren nimmt kräftig weiter zu. Ob man leicht lesbare Synthesen, Grundlagenwerke oder gänzlich neue Denkentwürfe sucht, der Markt hält alles in großer Menge und oft auch beachtlicher Qualität bereit.

          5 Min.

          orn. FRANKFURT, 12. Oktober. Die Zahl der jährlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt ist kaum noch überschaubar. Auch die Kreativität der wissenschaftlichen Autoren nimmt kräftig weiter zu. Ob man leicht lesbare Synthesen, Grundlagenwerke oder gänzlich neue Denkentwürfe sucht, der Markt hält alles in großer Menge und oft auch beachtlicher Qualität bereit. Bekannte Ökonomen helfen im folgenden dabei, den Überblick zu bewahren - und geben persönliche Hinweise, welche Bücher aus jüngster Vergangenheit besondere Beachtung verdienen.

          Juergen Donges/Andreas Freytag: Allgemeine Wirtschaftspolitik. (Lucius & Lucius, Stuttgart 2001).

          "Ein modernes Lehrbuch, informativ, praxisnah, mit einer geglückten Mischung von Theorie und Empirie. Besonders hervorzuheben ist eine Verbindung zwischen überkommener Ordnungstheorie (Walter Eucken) und sehr viel stärker differenzierenden Analysemethoden wie zum Beispiel der Prinzipal-Agent-Theorie oder Public-Choice-Ansätzen." (Wernhard Möschel, Universität Tübingen).

          Allan Drazen: Political Economy in Macroeconomics. (Princeton University Press, Princeton 2000).

          "Die Politökonomik ist bei Makroökonomen seit zwanzig Jahren in stürmischem Aufschwung. Untersucht wird, wie heterogene Interessen bewirken, daß in der Realität politische Institutionen, Entscheidungsverfahren und Maßnahmen dominieren, die gesamtwirtschaftlich ineffizient sind. Ein Beispiel sind Zentralbanken, die für Geldentwertung sorgen, ein anderes sind Budgetverfahren, die Verschwendung begünstigen. Jetzt gibt es erstmals einen umfassenden Überblick über die theoretische und empirische Literatur aller politökonomischen Teilgebiete. Nicht nur für Ökonomen ist das Buch ein Gewinn, auch der interessierte Laie findet leichtverdauliche Passagen, die den politökonomischen Horizont erweitern. (Manfred J.M. Neumann, Universität Bonn).

          Charles Blankart: Öffentliche Finanzen in der Demokratie. 4. Auflage. (Verlag Vahlen, München 2001).

          "Was man immer schon über das wirtschaftliche Verhalten des Staates, seine Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten wissen wollte, aber (aus Furcht vor Jargon und Theorie?) nicht zu fragen wagte: in diesem Buch ist es klar, verständlich und auf dem neuesten Stand nachzulesen." (Manfred Tietzel, Universität Duisburg).

          Klaus Gourgé: Ökonomie und Psychoanalyse. (Campus-Verlag, Frankfurt 2001).

          "Ein intelligentes Buch zu einem unwahrscheinlichen Thema. Gourgé zeigt die komplexen Spielräume, die zwischen Ökonomie und Psychologie einerseits und der Psychoanalyse andererseits bereits ausgefaltet worden sind. Sein Buch ist mehrfach interessant: erstens wegen des Themas, zweitens wegen der ausgezeichneten, gelassenen Erörterungen der verschiedenen Rational-Choice-Konzeptionen innerhalb der Ökonomie, und drittens wegen der Einführung in die Komplexität menschlichen Handelns. Es wird deutlich, welchen Anforderungen sich die ökonomische Wissenschaft künftig wird stellen müssen. (Birger Priddat, Universität Witten/Herdecke).

          Svetozar Pejovich: The Economics of Property Rights. (Edward Elgar Publishers, Cheltenham 2001).

          "In der Property-Rights-Analyse liegt die Zukunft der Wirtschaftstheorie. Sie hilft zu verstehen, warum Globalisierung ohne staatliche Eingriffe, ohne gleichmacherische Standards und weitere internationale Regulierungseinrichtungen notwendig ist. Svetozar Pejovich hat eine Vielzahl wichtiger theoretischer Beiträge zusammengetragen. Zu den Autoren gehören James Buchanan, Ronald Coase, Douglass North, Richard Posner. Ihre Beiträge legen die analytischen Fundierungen der Disziplin. Sie zeigen, daß eine angemessene Zuweisung und Durchsetzung von Verfügungsrechten "Externalitäten" mindern kann - so daß die Menschen für ihr Tun auch die Verantwortung tragen. Daneben erklären sie, wie das wirtschaftliche Verhalten der Menschen von Rahmenbedingungen und Institutionen geprägt ist." (Enrico Colombatto, Universität Turin).

          Alexander Rüstow: Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus. Dritte, überarbeitete Auflage mit Übersetzungen. (Metropolis-Verlag, Marburg 2001):.

          "Gerade jener, dem es um die Liberalität zu tun ist, wird mit Gewinn das dogmenhistorisch fundierte und und geradezu enragiert liberale Plädoyer, das Rüstow vor nunmehr rund einem halben Jahrhundert gegen die ökonomistische Verkürzung des Liberalismus  geschrieben hat, zur Kenntnis nehmen. Er wird nicht mit allem, was Rüstow zur Diskussion stellt,  einverstanden sein; doch wird er, weil das Buch auch heute noch zu provozieren vermag, weniger gedankenlos ein Liberaler sein." (Guy Kirsch, Universität Fribourg/Schweiz).

          Weitere Themen

          Wort, Satz und Sieg

          Die Schule von Cambridge : Wort, Satz und Sieg

          Politische Theorie steht immer im Kampf: Mit Quentin Skinners Aufsatz über Sinn und Verstehen in der Ideengeschichte begann 1969 die Erfolgsgeschichte der Schule von Cambridge.

          Topmeldungen

          Die israelische Siedlung Migron in der Westbank

          Israel und Palästina : Die Besetzung bleibt rechtswidrig

          Zumindest für den UN-Sicherheitsrat ist die Sache klar: Der Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten bleibt völkerrechtswidrig – und Israel ist aufgefordert, alle Siedlungsaktivitäten einzustellen.
          Mann des Abends: Serge Gnabry

          6:1 gegen Nordirland : Deutsches Schaulaufen zum Gruppensieg

          Zum Abschluss bereitet die EM-Qualifikation doch noch unbeschwerte Freude: Gegen Nordirland gibt es einen 6:1-Sieg. Gnabry trifft dreimal, Goretzka zweimal. Zur Belohnung gibt es im Sommer drei EM-Heimspiele.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.