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Rezension: Sachbuch : Outsourcing und Mitbestimmung

  • Aktualisiert am

Plädoyer für eine "In"-Sourcing-Initiative in den Unternehmen

          2 Min.

          Hans-Erich Müller/Arno Prangenberg unter Mitarbeit von Annette Martin: Outsourcing-Management. Handlungsspielräume bei Ausgliederung und Fremdvergabe. Bund-Verlag, Köln 1997, 429 Seiten, 49,90 DM.

          Das Buch ist das Ergebnis eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekts "Outsourcing und Mitbestimmung". Die Autoren, Hans-Erich Müller, Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin und Unternehmensberater, sowie Arno Prangenberg, Referatsleiter bei der Hans-Böckler-Stiftung, behandeln ein im Zuge der Restrukturierung vieler Unternehmen seit Jahren aktuelles Thema, das selten in seiner vollen Breite und Tiefe diskutiert wird. Sie fordern, Outsourcing als strategische Entscheidungsfrage zu behandeln und nicht als "Flickzeug für den Fall der Reifenpanne". Sie raten den Unternehmen, die vielen Chancen eines strategischen Sourcing zu nutzen und sich nicht einzig und allein auf die Fremdvergabe zu stützen. Für die Unternehmen gehe es dabei um die klare Definition der Kernkompetenzen und für die Arbeitnehmervertreter letztlich auch um Macht und Einfluß.

          Was ist Outsourcing? In welchen Formen tritt Outsourcing auf? Wie lassen sich Outsourcing-Entscheidungen in den Strategieprozeß einbetten? Welche Vereinbarungen müssen mit dem Betriebsrat getroffen werden? Das sind einige der Fragen, die die Autoren beantworten.

          Der Modebegriff Outsourcing ergibt sich aus Outsource Resource Using (das heißt, fremde Quellen und Kapazitäten nutzen). Die Autoren haben bei ihren Recherchen in den Unternehmen festgestellt, daß Outsourcing seit Jahren als probates Mittel angesehen wird, um die Unternehmen schlanker zu machen. Indessen müsse vor einer Outsourcing-Begeisterung gewarnt werden, denn die Schlankheitskur - so schreiben die Autoren - mache die Unternehmen nicht zuletzt wegen des damit einhergehenden Kompetenzverlustes nicht unbedingt gesünder. Daher fordern sie völlig zu Recht, Sourcing nicht mehr länger als Einbahnstraße abnehmender Wertschöpfungstiefe anzusehen. Vielmehr gebe es bei der Optimierung der Wertschöpfungsprozesse im Unternehmen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, die von der Übertragung ausgewählter Wertschöpfungsaktivitäten auf externe Partner (Marktlösung) bis zu neuen unternehmensinternen organisatorischen Lösungen (zum Beispiel Bildung eigenverantwortlicher Cost und Profit Center) reichten ("hierarchische" Lösung). Sie befinden sich damit im Einklang mit Peter Hartz, Mitglied des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft, der in seiner lesenswerten Einführung darauf hinweist, daß Sourcing die Beschaffung von Komponenten und Diensten bedeute - unabhängig davon, wer die entsprechende Leistung erbringe.

          Das Besondere an diesem Buch liegt darin, daß die Autoren auf die Mitbestimmungsaspekte hinweisen (teilweise etwas übertrieben). Im dritten Teil, der dem Praktiker, vor allem dem Personalwirtschaftler und dem Organisierenden, besonders zur Lektüre zu empfehlen ist, lassen sie daher auch Betriebsräte zu Wort kommen. Hier findet der Leser konkrete praxiserprobte Betriebsvereinbarungen, die in einzelnen bekannten Unternehmen zur Begleitung von Veränderungen der Wertschöpfungstiefe getroffen worden sind.

          Zwar holen die Autoren insgesamt etwas zu weit aus in der Darstellung, dennoch ist im Interesse einer ausgewogenen Diskussion des wichtigen Themas positiv zu werten, daß die bei der Debatte um Outsourcing oftmals vernachlässigte Arbeitnehmersicht hier klar artikuliert wird. Die Empfehlung der Autoren, Veränderungen der Wertschöpfungstiefe nicht nur in Richtung Outsourcing, sondern auch in Richtung Insourcing zu diskutieren, sollte Beachtung finden. Ob allerdings ihre Forderung, an die Stelle der "Out"-Sourcing-Debatte eine "In"-Sourcing-Initiative für die eigenen Ressourcen zu starten, in den Unternehmen, die mit erheblichen Absatzschwankungen und mit der immer drückenderen Last der Fixkosten zu kämpfen haben, auf Begeisterung stoßen wird, erscheint keineswegs sicher.

          ROBERT FIETEN

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