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Rezension: Sachbuch : Moralphilosophie - ökonomisches Handeln

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Die brillante Karriere verdeckte persönliche Schwierigkeiten: Dieser einflußreiche und in ganz Europa bekannte Gelehrte war zeit seines Lebens nervös und unsicher. Mindestens einmal erlitt er einen Nervenzusammenbruch, er war häufig überarbeitet, seine Erlebnisse mit Frauen waren enttäuschend. In entscheidenden Phasen zeigte er jedoch stets Mut: Er stand dem sterbenden Hume in dessen letzten Tagen bei und verfaßte darüber einen einfühlsamen Bericht.

Zu dieser Zeit war Smith bereits ein anerkannter Wissenschaftler, und auch außerhalb der akademischen Welt wurde ihm Aufmerksamkeit zuteil: Nach der Veröffentlichung der "Untersuchung über den Wohlstand der Nationen" war sein Rat allenthalben gefragt. Er beriet mehrere britische Regierungen, setzte sich für eine friedliche Lösung der Auseinandersetzungen mit den amerikanischen Kolonien ein und wurde schließlich Commissioner of Customs in Schottland. Smith war stolz, in die Fußstapfen seines Vaters treten zu können, obwohl er nun einer Behörde vorstand, deren Wirtschaftspolitik nicht mit den Grundsätzen übereinstimmte, die er selbst in seiner "Untersuchung über den Wohlstand der Nationen" vertreten hatte. 1790 starb Smith; wie sein Freund Hume ertrug er das Näherkommen des Todes mit stoischer Gelassenheit.

Schon bald nach seinem Tod wurde das Werk Smiths mit Newtons "Principia Mathematica" verglichen. Wie dieser das System der Natur, so hatte Smith das der Gesellschaft und der sie bewegenden Kräfte beschrieben und erklärt. Smith widersprach der Vorstellung Hobbes' oder Mandevilles von der Dominanz der Eigensucht im menschlichen Verhalten und entwickelte eine auf Humes und Hutchesons Erkenntnissen aufbauende, zwischen deren Positionen oszillierende Moraltheorie. Ross zeichnet diese Entwicklung nach und zeigt die Zusammenhänge zwischen Smiths moralphilosophischen Überlegungen und seiner später entwickelten Theorie wirtschaftlichen Handelns. Die Entstehung und der Inhalt der "Untersuchung über den Wohlstand der Nationen" wird in Ross' Biographie sorgfältig dargestellt und analysiert. Diese Passagen bieten eine vorzügliche Einführung in Smiths ökonomisches Denken und dessen Bezugnahme auf zuvor entwickelte moraltheoretische Argumente. Die nach Smith im Wirtschaftsleben wirkende "unsichtbare Hand" wird als eine den Newtonschen Naturgesetzen vergleichbare Struktur verständlich: Es ging Smith bei seiner Analyse der Wirtschaft um die Darstellung von Wirkungszusammenhängen und Mechanismen. Das wird von Ross nachgezeichnet und im Kontext der zeitgenössischen Wissenschaft interpretiert. Auch wenn dem Leser dabei keine grundlegend neuen Erkenntnisse vermittelt werden, so bietet diese Biographie doch eine Synthese der Smith-Forschung, die auch auf bekannte Tatsachen neues Licht wirft: Ross versucht beispielsweise, den Einfluß des in der akademischen Diskussion wiedererstarkten stoischen Denkens auf Smith aufzuzeigen - und er relativiert das Bild des jedem staatlichen Eingreifen skeptisch gegenüberstehenden Wissenschaftlers. Die Biographie erhellt damit den wissenschaftlichen Kontext, innerhalb dessen sich Smiths Denken entwickelt hat, und ordnet dieses Denken zugleich darin ein. DIETMAR HERZ

(Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaft der Universität München)

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