https://www.faz.net/-gqz-6qlbu

Rezension: Sachbuch : Moderne Form fiskalischen Raubrittertums

  • Aktualisiert am

Steuerliche Schlupflöcher sind oft nur die Atemlöcher

          3 Min.

          Manfred Rose (Herausgeber): Standpunkte zur aktuellen Steuerreform. Verlag Recht und Wirtschaft, Heidelberg 1997, 140 Seiten, 34 DM.

          "Die Besteuerung der persönlichen Einkommen und Unternehmensgewinne in Deutschland ist in einem nahezu chaotischen Zustand." Mit diesem Satz leitet der Herausgeber Manfred Rose, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Heidelberg, das kleine Buch ein. Und später ist von ihm zu lesen: "Steuerreform erlebt der deutsche Bürger als sichere Episoden einer nahezu unendlichen Geschichte, die kein entlastendes Ende erwarten lassen. Steuern werden von den Bürgern mehr und mehr als moderne Formen eines fiskalischen Raubrittertums betrachtet. In besonderem Maß gilt dies für die Einkommensteuer, die einstmals als Königin der Steuern bezeichnet wurde, inzwischen jedoch dank permanenter ,Deformationen' degeneriert und orientierungslos im deutschen Steuerdickicht vagabundiert. Besonders chaotisch ist der gegenwärtige Zustand der Besteuerung des Sparens für die Altersvorsorge." Entweder werde willkürlich begünstigt oder exzessiv belastet.

          Die Hauptursache für dieses Desaster liegt nach Rose darin, daß in der Steuerpolitik die Grundgesetze der Marktwirtschaft ständig mißachtet werden. Leider seien daran nicht allein die Politiker schuld; viel Unheil hätten auch Steuerwissenschaftler angerichtet, indem sie Steuerideale pflegten, die sich als nicht administrierbar, unfair und marktwirtschaftlich kontraproduktiv erwiesen hätten.

          Neben Rose kommen auch andere kompetente Fachleute zu Wort: Franz W. Wagner (Universität Tübingen), Gerold Krause-Junk (Universität Hamburg), Konrad Littmann (Hochschule Speyer), Paul Kirchhof (Universität Heidelberg), Dietrich Meyding (Oberfinanzpräsident a. D.), Stefan Homburg (Universität Magdeburg) und Ekkehard Wenger (Universität Würzburg). Es sind die Vorträge vom Heidelberger Steuerkongreß Ende Januar 1997, die hier veröffentlicht worden sind. Diskussionsleiter sind Peter Bareis (Universität Hohenheim) und Dieter Pohmer (Universität Tübingen) gewesen. Aus den Vorträgen und der Diskussion hat der Herausgeber die wichtigsten Thesen herausgeschält und gesondert zusammengestellt. Einige davon lauten:

          Aus dem Einkommensteuergesetz sind sämtliche Lenkungsmaßnahmen zu beseitigen. Die Ermäßigung der Einkommensteuersätze ist auch eine sinnvolle Strategie, um den "Leviathan-Staat" zu begrenzen. Als langfristiges Reformziel wird genannt: Alle Renten besteuern, die durch steuerfreie Einzahlungen erworben worden sind; keine Steuern auf Auszahlungen von Lebensversicherungen und Renten, die der Bürger aus versteuertem Einkommen angespart hat; Besteuern des zinsbereinigten Gewinns aus unternehmerischen Tätigkeiten; die Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen abschaffen. Da zur Steuervereinfachung auch ein deutlicher Abbau von Subventionen gehört, muß das Interesse an Subventionen durch deutliches Senken der marginalen Steuersätze der Einkommen- und Körperschaftsteuer (35 Prozent) minimiert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.