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Rezension: Sachbuch : Klassiker

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Beiträge zum ökonomischen Denken

          Heinz D. Kurz: Ökonomisches Denken in klassischer Tradition: Aufsätze zur Wirtschaftstheorie und Theoriegeschichte. Metropolis-Verlag, Marburg 1998, 594 Seiten, 79,80 DM.

          Heinz D. Kurz (Universität Graz) gehört zu einer Gruppe von Ökonomen, die sich seit Jahren um den Aufbau einer Theoriealternative zur herrschenden Neoklassik bemühen. Diese gelegentlich als Neoricardianismus bezeichnete Schule schöpft aus den klassischen Arbeiten von Adam Smith und David Ricardo, fühlt sich manchen Gedanken von John Maynard Keynes verbunden und verehrt den italienischen Ricardo-Interpreten Piero Sraffa. Man darf wohl behaupten, daß die Neoricardianer innerhalb der Ökonomenzunft Außenseiter geblieben sind und auch die aktuellen wirtschaftspolitischen Debatten nicht beeinflussen. Andererseits besitzen einige Vertreter dieser Schule exzellente Kenntnisse der Theoriegeschichte; sie tragen damit maßgeblich zur gegenwärtigen Wiederentdeckung deutschsprachiger Ökonomen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bei.

          Kurz hat in seinem Buch "Ökonomisches Denken in klassischer Tradition" vierzehn gut lesbare, in der Mehrzahl nichtmathematische, Beiträge aus seiner eigenen Feder zusammengefaßt. Einige Arbeiten sind schon in den Kommentarbänden zur bekannten Klassiker-Edition des Verlags Wirtschaft und Finanzen (Düsseldorf) veröffentlicht worden. Die Palette der Themen belegt das weitgespannte Interesse des Autors: Neben Aufsätzen über die Produktions- und Verteilungstheorie der Klassiker Smith und Ricardo enthält der Band Artikel über eine Reihe deutschsprachiger Ökonomen - Friedrich Hermann, Johann Heinrich von Thünen, Eugen von Böhm-Bawerck, Franz Oppenheimer und Friedrich A. von Hayek. Abschließend setzt sich Kurz kritisch mit der sogenannten modernen Wachstumstheorie auseinander, deren Vertretern er vorwirft, mit den bahnbrechenden Arbeiten der Klassiker nicht vertraut zu sein.

          Klassische Ökonomie ist nach Kurz ein Theorieansatz, der die langfristigen Bestimmungsgründe von Produktion und Verteilung erklären will, wobei die Produktionstechnik, die kurzfristige Größe und Zusammensetzung des Sozialprodukts sowie der Reallohn vorgegeben werden. Als Fundament der modernen Neoklassik bezeichnet Kurz dagegen den Verzicht auf langfristige Analysen unter der Annahme, alle Einkommensarten (Löhne, Profite und Renten) ließen sich simultan und symmetrisch aus dem Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage erklären. Während viele Neoklassiker ihre Lehre als eine Weiterentwicklung der Klassik verstehen, arbeitet Kurz die Unterschiede zwischen beiden Richtungen heraus. Wer sich für ökonomische Theoriegeschichte interessiert, wird in diesem inhaltsreichen Sammelband viele Anregungen finden. GERALD BRAUNBERGER

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