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Rezension: Sachbuch : Jenseits der vertrauten Pfade

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Dieter Sadowski (Herausgeber): Entrepreneurial Spirits. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2001, 393 Seiten, 74 Euro.Führungskräfte der Wirtschaft sollten ihren Beruf im unternehmerischen Geist betreiben, Wissenschaftler diesen beschreiben - so die landläufige Meinung über die Arbeitsteilung zwischen Praktikern und Theoretikern.

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          Dieter Sadowski (Herausgeber): Entrepreneurial Spirits. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2001, 393 Seiten, 74 Euro.

          Führungskräfte der Wirtschaft sollten ihren Beruf im unternehmerischen Geist betreiben, Wissenschaftler diesen beschreiben - so die landläufige Meinung über die Arbeitsteilung zwischen Praktikern und Theoretikern. Wer das Vorwort des an der Universität Trier lehrenden Betriebswirts Dieter Sadowski liest, wird ein solches (Vor-)Urteil bereits leicht korrigieren müssen. Die Lektüre der folgenden Beiträge müßte ihn dann vollends davon überzeugen, daß die Gemeinsamkeiten mit Blick auf das Handeln im Unternehmungsgeist größer sind als die Unterschiede. Denn Unternehmer wie Wissenschaftler benötigen zuerst neue Ideen, deren künftiger Erfolg unsicher erscheint, und beide müssen ihre Vorstellungen mit Überzeugungskraft und oftmals gegen Widerstände durchsetzen. Das Verlassen der vertrauten Pfade, ausgeprägte Neugierde und die Lust an Wettbewerb, aber auch Geduld und Bereitschaft zur Frustrationstoleranz sind wünschenswerte Eigenschaften sowohl von Führungskräften und Vertretern der Wissenschaft.

          Es erstaunt deshalb auch nicht, wenn die wirtschaftswissenschaftlichen Annäherungen an den Unternehmergeist im ersten Teil des Buches neben modellorientierten Beiträgen von Wilhelm Krelle und Klaus-Peter Kistner mehrheitlich anhand von Praxiserfahrungen erfolgen, zum Beispiel mit Klaus Brockhoffs Analyse der Erfolgsbedingungen am Beispiel des Battelle-Instituts, Hermann Simons Untersuchung des Globalisierungsprozesses und Marianne Tümpens Darstellung der Corporate-Venture-Capital-Aktivitäten. Neben Überlegungen zur Förderung von unternehmerischem Denken im Unternehmen selbst und in der Managementausbildung (Reinhart Schmidt) sowie zu Unternehmensgründungen als Keimzellen des Fortschritts (Herbert Henzler) stehen empirische Untersuchungen zum (positiven) Einfluß der Managerqualität auf die Unternehmensgröße (Joachim Schmalbach/Steffen Brenner) sowie die Darstellung des "Enterprise Resource Planning" als eines neuen Produktionsplanungsinstruments (Günter Fandel).

          Unternehmerisches Handeln hat viele Facetten. Die im zweiten Teil des Buches enthaltenen Einsichten beginnen mit der Rechtswissenschaft. Marcus Lutter und Otto Graf Lambsdorff behandeln Probleme der Aufsichtsratstätigkeit und Corporate Governance in Deutschland. Sie reichen von den Wachstumspotentialen und -hemmnissen der Biotechnologie (Marion Schneider) und einer ethischen Analyse des Zusammenhangs von Gentests und Versicherungen (Jan Beckmann) bis zur Identität einer europäischen Architektur (O. M. Ungers). Und am Beispiel der Akademie der Wissenschaften zu Berlin wird schließlich über die wechselvolle Gründungs- und Auflösungsgeschichte einer progressiven, neuartige Ideen verfolgenden Institution berichtet, die in ihrer kurzen Lebenszeit beachtliche Ergebnisse vorgelegt hat. Eine lesenswerte, in jeder Hinsicht ungewöhnliche Publikation.

          HARTMUT KREIKEBAUM

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