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Rezension: Sachbuch : Die wahren Helden der Geschichte

  • Aktualisiert am

Burton W. Folsom ehrt die berühmten Konzerngründer aus Michigan

          Burton W. Folsom jr.: Empire Builders. How Michigan Entrepreneurs helped make America great. Traverse City: Rhodes & Easton, Traverse City 1998, 207 Seiten, 12,95 Dollar.

          Was haben Ford, General Motors und Kellogg's neben ihrem internationalen Erfolg gemeinsam? Sie alle sind in Michigan groß geworden und haben von dort aus die Weltmärkte erobert. Empire Builders - der Titel weckt zunächst falsche Assoziationen. Man denkt unwillkürlich an große Männer der Geschichte und Politik. Burton Folsom vom Mackinac Center for Public Policy in Michigan hat den Titel bewußt gewählt. Für ihn sind die Gründer großer Wirtschaftsimperien die wahren Helden der Geschichte, die von einem Ort der Welt aus ihre Herrschaft antreten - "nicht durch Gewalt, sondern durch Service, indem sie Produkte verkaufen, die der Kunde will, und das zu Preisen, die nur der Wettbewerb bestimmt". Das gelte für William Durant, den Gründer von General Motors, wie für seinen Konkurrenten Henry Ford, für das Chemiegenie Herbert Dow wie für Will Kellogg, den Erfinder der gleichnamigen Frühstückscerealien.

          Für die deutschen Leser entbehrt vor allem das Kapitel über Herbert Dow nicht einer gewissen Pikanterie, wirft es doch ein schlechtes Licht auf das Geschäftsgebahren der deutschen Bromindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als mit der deutschen Bromkonvention der Mann der 107 Patente mit einem Dumpingpreis vom amerikanischen Markt gefegt werden sollte, bewies dieser unerwartete Cleverneß und zeigte damit, was einem Kartell im Wettbewerb passieren kann. Dow kaufte die deutschen Bromimporte in den Vereinigten Staaten verdeckt auf und veräußerte sie über Mittelsmänner mit Gewinn überall weiter - sogar in Deutschland.

          Dow wie auch den anderen Imperiengründern ist klar gewesen, daß man nur mit den besten Mitarbeitern den erhofften Erfolg erzielen kann. Ihre Zielstrebigkeit hat sie veranlaßt, die besten Löhne zu zahlen. Soviel zur Marxschen Mär, wonach der Unternehmer gezwungen sei, seinen Arbeitern den geringsten Lohn zu zahlen. Niedrige Löhne führen zu Fluktuation und/oder Absentismus. Das hat auch Henry Ford gemerkt. Deshalb hat er 1914 den Mindestlohn auf 5 Dollar verdoppelt und die Vierzig-Stunden-Woche eingeführt. Nur mit Unverständnis hat er auf den Vorstoß Roosevelts reagieren können, Löhne, Preise und Arbeitszeiten zu regulieren. "Warum sollte eine Regierung Mindestlöhne festsetzen, wenn er diesen Standard schon lange vor den dreißiger Jahren vorgegeben hatte?" Ford hat sich der Forderung widersetzt, das NRA-Kartell zu unterzeichnen, und der Oberste Gerichtshof hat ihm recht gegeben. Doch die New Dealer um Roosevelt sollten sich rächen. Um die neue siebzigprozentige Wealth Tax, die Fords Sohn Edsel 321 Millionen Dollar gekostet hätte, zu umgehen, war Ford, lange Zeit der reichste Mann Amerikas, gezwungen, sein Unternehmen in eine Stiftung umzuwandeln. Auf diese Weise habe man seine "Fabrik, sein Fortune und sein Lebenswerk sozialisiert".

          Für Folsom gibt es nicht nur geographische Gemeinsamkeiten unter den Imperiengründern Michigans. Auch der große Erfindergeist und der Mut, den kreativen Köpfen großen Freiraum zu gewähren, zeichne sie aus; zudem tiefe Gläubigkeit und der Wille, den Weltmarkt ihrer Branchen zu erobern.

          HARDY BOUILLON

          (Centre for the New Europe, Brüssel)

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