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Rezension: Sachbuch : Bankplatz Leipzig

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Die Kuppelhalle der Dresdner Bank

          Dresdner Bank (Herausgeber): Die Kuppelhalle. Geschichte eines Leipziger Bankhauses. Leipzig 1996, 88 Seiten (zu beziehen bei der Dresdner Bank, Leipzig).

          Die Festschrift gilt der Rückkehr der Dresdner Bank in das 1911 von dem bekannten Jugendstilarchitekten Martin Dülfer errichtete Gebäude in der Goethestraße in der Nähe des Augustusplatzes. Kernstück des Gebäudes ist eine beeindruckende Kuppelhalle, damals Kassenhalle und heute an jedem ersten Mittwoch im Monatgeöffnet für Kulturveranstaltungen. Das kleine Buch bindet die Beschreibung des Hauses in die Historie des Bankplatzes Leipzig ein, der seine Wurzeln im 12. und 13. Jahrhundert hat, sich als Bankplatz im modernen Sinn aber erst im 19. Jahrhundert entfaltet. So entstanden 1824 der Leipziger Kassenverein als Gründung von sechs Großkaufleuten und mit staatlicher Unterstützung sowie 1827 die Leipziger Diskontkasse. Die bedeutendste Gründung war die Allgemeine Deutsche Creditanstalt (Adca), die 1856 auf Initiative von Unternehmern gegründet wurde und die in wenigen Jahrzehnten ganz Mitteldeutschland mit einem engmaschigen Filialnetz überzog. Nach dem Krieg wurde sie in Westdeutschland bis 1992 unter diesem Namen fortgeführt; sie ging dann in der holländischen Rabobank Deutschland AG auf. 1871 war eine Reichsbankhauptstelle in der sächsischen Wirtschaftsmetropole errichtet worden, und nach 1900 hatten sich die drei Großbanken hier angesiedelt. Der Höhepunkt des Bankplatzes war 1929 mit 70 Banken und Bankfilialen erreicht, dann folgten Wirtschaftskrise, Nazi-Zeit und DDR. Die 1872 in Dresden entstandene Dresdner Bank hatte zunächst in der neuen Reichshauptstadt Berlin eine Niederlassung errichtet und drei Jahre später auch den Geschäftssitz dorthin verlagert, ehe sie in Sachsen und Thüringen expandierte und 1909 auch in Leipzig Fuß faßte, dem damals nach Berlin wichtigsten deutschen Bankenplatz. Unter Victor von Klemperer wurde 1911 das neue, heute restaurierte Gebäude bezogen (mit Öffnungszeiten damals von 9 bis 17 und samstags bis 14 Uhr!). Der Messeplatz, die grafische Industrie in Leipzig, die Pelzbranche und andere Industrien boten genügend Geschäft. In der Nazi-Zeit wurde auch die Filiale Leipzig zur Rüstungsfinanzierung herangezogen und zur "Arisierung" jüdischen Eigentums, zum Beispiel in der Pelzbranche. Auch Klemperer war von der Entwicklung betroffen; er emigrierte 1935 und starb 1943 in Rhodesien. Nach der Wiedervereinigung war die Dresdner Bank als erstes westdeutsches Institut in Leipzig mit einem Beratungsbüro und im Laufe des Jahres 1990 mit einem Niederlassungsbereich vertreten. Seit 1993 fördert die Bank die wiederaufblühende Kunstszene mit dem Nachwuchspreis Ars Lipsiensis. JÜRGEN JESKE

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