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: Perspektiven für den Mittelstand

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Die kaum bestreitbare Kernthese von Kirsten Baus lautet: Nur eine Familie, die sich selber führen kann, ist auch in der Lage, die strategischen Fragen zu beantworten, die über die Zukunft von Familie, Unternehmen und Vermögen entscheiden. Die Autorin weist darauf hin, daß Streit in der Familie immer wieder das Aus traditioneller Unternehmen herbeiführt, die wirtschaftlich gesund sind. Nach ihrer wohlbegründeten Auffassung ist ein juristisch sauber ausgearbeiteter Gesellschaftsvertrag zwar notwendig, aber nicht hinreichend, um ein Familienunternehmen dauerhaft zusammenzuhalten.

Sie fordert daher die systematische Erarbeitung einer Familienstrategie, in der so wichtige Fragen geklärt werden wie die folgenden: Wie halten wir die Familie zusammen? Wie führen wir die Junioren an die Familie heran? Wie entwickeln wir das Unternehmen weiter? Wie übertragen wir es auf die nächste Generation? In dieser Hinsicht - so ist die Beobachtung der Expertin - hätten uns die Vereinigten Staaten einiges voraus: Dort seien Familienstrategien und daraus erarbeitete Familiencharten weit verbreitet, die nicht nur das Verhältnis der Gesellschafter untereinander, sondern auch das viel komplexere und konfliktträchtige Verhältnis von Familie und Unternehmen regeln.

Eine solche "Family Strategy" sorge dafür, daß der Frieden in der Familie bewahrt werde und daß sie zu einem berechenbaren Partner im Unternehmen werde. Hiervon hänge die Handlungsfähigkeit im operativen Geschäft ganz entscheidend ab, aber auch die Regelung der Nachfolge und anderer strategischer Fragen. Familienstrategien und Familiencharten mit definierten gemeinsamen Werten und Zielen seien folglich dem formalen Gesellschaftsvertrag vorzuordnen.

Helmut Habig und Jochen Berninghaus behandeln in ihrem in der zweiten, neu bearbeiteten und erweiterten Auflage erschienenen Werk die Nachfolge in Familienunternehmen. Im ersten Teil des Buches werden knapp betriebswirtschaftliche Aspekte, dafür aber um so ausführlicher die familiären, psychologischen und emotionalen Facetten der Nachfolge diskutiert. So wird eingegangen auf die möglichen Konflikte zwischen dem Senior, der loslassen können, und dem Junior, der Unternehmer sein wollen muß. Dabei werden auch mögliche Tabuthemen bei der Nachfolgeplanung nicht ausgespart. Interessant und lehrreich sind die neu hinzugekommenen konkreten Beispiele aus Unternehmerfamilien und dem Adel.

Im gut strukturierten zweiten Teil stellen die Autoren die aktuellen steuerlichen und rechtlichen Aspekte der Nachfolgeregelung praxisorientiert dar. Der Leser lernt unter anderem Gestaltungsmöglichkeiten der Übertragung eines Unternehmens zu Lebzeiten, vorbereitende Maßnahmen für den Fall des (plötzlichen) Todes des Unternehmers sowie vermeidbare Fehler in der Nachfolgeregelung kennen. Im Anhang finden sich hilfreiche Checklisten, die zu einer durchdachten Nachfolgeregelung beitragen können.

Unternehmerfamilien, denen die Sicherung ihrer Unternehmen über Generationen am Herzen liegt, sollten die Schriften von Baus und Habig/Berninghaus im Doppelpack lesen. Nach der Lektüre dürfte klar sein, daß die Nachfolge im Familienunternehmen keine Reise ins Ungewisse zu sein braucht.

ROBERT FIETEN

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