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: Pater und Manager

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Auf einer Podiumsdiskussion begegnen sich zwei Führungspersönlichkeiten, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten: der Benediktiner-Pater Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzbach bei Würzburg und Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender des Lifestyle-Unternehmens Puma. Zwischen beiden Männern bestehen auch Gemeinsamkeiten.

          Auf einer Podiumsdiskussion begegnen sich zwei Führungspersönlichkeiten, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten: der Benediktiner-Pater Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzbach bei Würzburg und Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender des Lifestyle-Unternehmens Puma. Zwischen beiden Männern bestehen auch Gemeinsamkeiten. Grün hat nicht nur zahlreiche Bücher zu den Themen Spiritualität und Lebenshilfe verfasst, er ist auch als "Cellerar" für das wirtschaftliche Wohlergehen und die Finanzen eines Klosters mit 300 Mönchen und Mitarbeitern zuständig. Zeitz steuert nicht nur einen weltweit tätigen Sportartikelkonzern mit 9000 Mitarbeitern. Sein Engagement gilt auch dem nachhaltigen Schutz der natürlichen Umwelt und dem anspruchsvollen Ziel einer gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens. Beide Autoren sprechen von spirituellen Werten, an denen sie ihre Entscheidungen ausrichten.

          Die Stichworte "Gott, Geld und Gewissen" bilden die Hintergrundfolie für die Sachthemen des Buches: Nachhaltigkeit, Mensch und Umwelt, Wirtschaft, Wohlstand, Kultur, Werte, ethisches Handeln, Bildung und Erziehung, Erfolg, Stärken und Schwächen, Verantwortung sowie Bewusstsein. Die einzelnen Kapitel werden mit dem Statement eines Autors vorgestellt und mit einem dialogischen Austausch von Erfahrungen und Anregungen abgeschlossen.

          Das Thema Nachhaltigkeit berührt Jochen Zeitz existentiell: Als Person und als Unternehmer orientiert er sich an der Regel "Du erntest, was du säest". Wer der Erde mehr nimmt, als er ihr gibt, verstoße gegen das grundlegende ökologische Prinzip, das gleichzeitig das "Kernstück einer ökonomischen Gleichung" sei. Zeitz folgert daraus: "Wir bei Puma werden uns noch deutlich mehr anstrengen und zum Teil völlig umdenken müssen, um zu lernen, besser innerhalb der Zyklen und Gesetze der Natur zu wirtschaften." Mit Ökonomen und Umweltexperten zusammen will er sich für einen "Öko-Kapitalismus" einsetzen. Diese Vorstellung setze eine Symbiose von Wirtschaft und natürlichen Ressourcen voraus, welche die Natur erhalte, statt sie zu verdrängen. Dabei müsse die Natur genauso bewertet werden wie wirtschaftliches Wachstum. Ein ökofreundlicher Kapitalismus setze auch voraus, dass habgieriges Wirtschaften berichtigt und beseitigt werden müsse.

          Grün kommentiert etwas spitzbübisch, sein Kloster genieße beim Thema Nachhaltigkeit einen klaren Wettbewerbsvorteil. Denn die qualitativ hochwertigen klösterlichen Produkte wie Bücher und Goldschmiedearbeiten dürften ruhig etwas mehr kosten. Nach der benediktinischen Tradition sei Langfristigkeit bei der Bewahrung der Schöpfung für die künftigen Generationen ein wichtiges Thema, ebenso aber auch Ästhetik, etwa bei der Anlage von Kräutergärten und dem einrahmenden Kreuzgang.

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