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: Nur keine Katastrophe

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Wieder hat er zugeschlagen: "Dr. Doom" (Dr. Untergang), wie Nouriel Roubini unter Wirtschaftsexperten gerne genannt wird. Das vorliegende Buch, das er zusammen mit dem Wirtschaftsjournalisten Stephen Mihm geschrieben hat, führt dem Leser vor Augen, dass es mit der jüngsten Krise noch nicht vorbei ist.

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          Wieder hat er zugeschlagen: "Dr. Doom" (Dr. Untergang), wie Nouriel Roubini unter Wirtschaftsexperten gerne genannt wird. Das vorliegende Buch, das er zusammen mit dem Wirtschaftsjournalisten Stephen Mihm geschrieben hat, führt dem Leser vor Augen, dass es mit der jüngsten Krise noch nicht vorbei ist. Im Gegenteil. Die Weltwirtschaft steht vielleicht am Rande des Zusammenbruchs, und um die Stabilität des Euro machen sich die Autoren erhebliche Sorgen.

          Kein Ökonom hat die Krise mit solcher Präzision vorhergesagt wie der ehemalige Wirtschaftsberater der Administration Clinton und Wirtschaftsprofessor der Stern School of Business, New York. Auf dem Höhepunkt des Booms im September 2006 hielt Roubini einen Vortrag vor dem Internationalen Währungsfonds (IWF), in dem er von einem noch nie dagewesenen Schock für die amerikanische Wirtschaft sprach. Dabei hob er insbesondere auf einen Einbruch im Immobilienmarkt, einen Ölpreisschock und eine daraus resultierende Verschlechterung des Konsumklimas ab. Er sprach von einer kommenden tiefgreifenden Rezession. Die Warnungen fanden kein Gehör, und die amerikanische Regierung unternahm nichts gegen die am Immobilien- und Hypothekenhimmel aufziehenden Wolken.

          Dass aus einer regionalen Krise eine globale Krise würde, sagte Roubini zwar vorher, Glauben wollte man ihm aber wieder nicht schenken. Wer hört schon gerne schlechte Nachrichten? Ob Roubini nun der erste oder doch einer aus einer Gruppe von Ökonomen war, die die Krise vorhergesagt haben, ist nicht mehr von Bedeutung. Wichtig ist, sich mit der Krise zu beschäftigen, oder genauer: mit der Krisenökonomie. Jeder weiß, dass dies nicht die erste Krise ist, aber wenige wissen, dass es vor der ersten Weltwirtschaftskrise nach 1929 bereits eine Reihe von Krisen gegeben hat, die seinerzeit die Welt erschüttert haben.

          Die Autoren befassen sich detailliert mit diesen Krisen und leiten aus der Vergangenheit Muster ab. Die jetzige Krise unterscheidet sich in Details vielleicht von früheren Krisen, doch das Sprichwort, dass sich die Geschichte wiederholt, trifft auch hier zu. Krisen scheinen sich wie Epidemien zu verhalten, die sich vom Ursprungsort überallhin ausbreiten. Haben wir denn aus all den vorangegangenen Krisen nichts gelernt? Zu wenig, wie es scheint! Roubini und Mihm erachten es daher für wichtig, die Theorien heranzuziehen, die Krisen erläutern. Ob es sich hier um die Krisentheorie der österreichischen Schule, in deren Mittelpunkt die Aussagen Friedrich A. von Hayeks oder Joseph Schumpeters stehen, handelt, oder über die Krisentheorie des Briten John Maynard Keynes - Roubini und Mihm tun dies auf eine sehr verständliche Weise. Das Buch spannt einen Bogen von der Geschichte früherer Krisen zu den Wurzeln der letzten Krise bis hin zur Zukunft. Nicht erst hier zeigt sich, dass das Buch auch für fachlich interessierte Laien ein Gewinn ist. Was dem Leser geboten wird, ist eine fundierte Analyse der Krise und Antworten auf jene Fragen, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aktuell bewegen.

          Es taucht die Frage nach der Schuld für die Krise auf und auch die Frage, ob es sich um Marktversagen oder Staatsversagen handelte. Wie aber können zukünftige Krisen verhindert werden, und wie ist es dabei um die Zukunft des kapitalistischen Systems bestellt? Das führt Roubini und Mhim zum künftigen Finanzsystem: Was sollte größere Sorgen bereiten - eine Deflation oder eine Inflation?

          In diesem Zusammenhang geht es auch um langfristige Folgen von nationalen Konjunkturprogrammen oder zum Beispiel um Notfallmaßnahmen, wie sie immer wieder von den Notenbanken der Vereinigten Staaten und anderer Länder eingeführt wurden. Eine andere Frage rückt in den Mittelpunkt der Diskussion, wenn die Autoren diskutieren, ob die Krise den Anfang vom Ende des amerikanischen Systems und damit zugleich den Anfang vom Aufstieg bisher als Entwicklungs- und Schwellenländer bezeichneter Staaten wie China und Indien bedeutet.

          Diese Länder schafften es als Erste, sich aus dem Strudel wieder zu befreien. Dass jede Krise irgendwann endet, wissen wir auch aus der Geschichte. Aber wie ist es mit den Nachwirkungen? Das führt die Autoren zu Reformvorschlägen, die zur Vermeidung von Krisen in der Zukunft entscheidend sind, letztlich um eine neue Finanzarchitektur, die dem Finanzmarkt eine höhere Stabilität und Transparenz verleihen soll. Die genauen Vorschläge hier vorwegzunehmen wäre vermessen und ist auch so kurz gefasst nicht möglich. Manches wurde schon angedeutet.

          Wie immer aber, wenn es um die Zukunft geht, schadet es nicht, in die Vergangenheit zu blicken. Und hier geht es vor allem um die Reform des Kapitalismus. Das vorliegende Buch hilft in jedem Fall, Krisen zu verstehen, und macht zugleich Hoffnung, dass es bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Reformen nicht wieder zu solchen Katastrophen kommt.

          INDIRA GURBAXANI.

          Nouriel Roubini und Stephen Mihm: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft.

          Campus Verlag, Frankfurt 2010, 470 Seiten, 24,90 Euro.

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