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: Moralische Integrität

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In einer vom Fortschritt bestimmten Kultur unterliegen auch die kulturellen Rahmenbedingungen unternehmerischer Entscheidungen einer ständigen Veränderung. Diese Veränderungsprozesse äußern sich in neuen Werthaltungen und Einstellungen des Unternehmens als gesellschaftlichem Akteur sowie der Unternehmensangehörigen.

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          In einer vom Fortschritt bestimmten Kultur unterliegen auch die kulturellen Rahmenbedingungen unternehmerischer Entscheidungen einer ständigen Veränderung. Diese Veränderungsprozesse äußern sich in neuen Werthaltungen und Einstellungen des Unternehmens als gesellschaftlichem Akteur sowie der Unternehmensangehörigen. Ein Wertewandel im Unternehmen kann aber auch seinerseits die Wertvorstellungen einer Gesellschaft beeinflussen. An diesem Zusammenhang setzen Thomas Beschorner (Universität Oldenburg) und Matthias Schmidt (Technische Fachhochschule Berlin) mit ihrem Sammelband an. Dieser enthält die Beiträge zu einer Veranstaltung der Consulting-Akademie Unternehmensethik, die jährlich von der Evangelischen Akademie Pfalz, der Universität Oldenburg und der Plansecur-Stiftung veranstaltet wird.

          Im ersten Teil belegt Michael Aßländer (Universität Kassel) anhand empirischer Studien, dass die öffentliche Meinung zunehmend nicht nur die Leistungsfähigkeit im Blick hat, sondern auch die moralische Integrität des Geschäftsgebarens von Unternehmen. Die in Organisationen tätigen Menschen benötigten daher Freiräume, um ihre moralischen Überzeugungen und Werthaltungen leben zu können. Aufgabe einer kulturorientierten Unternehmensethik sei es dabei, die Mitarbeiter an ihr Verantwortungsbewusstsein zu erinnern und sie in der Ausbildung ihrer moralischen Kompetenzen zu fördern.

          Ähnlich argumentieren Dirk Ulrich Gilbert (Universität Nürnberg-Erlangen) und Michael Behnam (Suffolk University Boston). Sie zeigen am Beispiel transnational operierender Unternehmen, dass sich formale Strukturen zur Durchsetzung vorgegebener Regeln und juristischer Normen ("Compliance") nur eingeschränkt zur Lösung unternehmensethischer Probleme eignen. Erst in Verbindung mit einer im Konsens gefundenen Orientierung an bestimmten Werten ("Integrity") könne eine kulturbezogene Unternehmensethik entwickelt und die Glaubwürdigkeit verantwortlicher Unternehmensführung gewährleistet werden. Die Verfasser schlagen dazu ein in der Praxis erprobtes prozessorientiertes Kommunikationsmodell vor.

          Im zweiten Teil des Bandes geht es um den Zusammenhang von Unternehmensethik und Kultur aus Sicht verschiedener philosophischer Ethikkonzepte. Thomas Peterson (Universität Heidelberg) versucht den Begriff der unternehmerischen Verantwortung über den Vergleich der Kapitalismuskritiken von Karl Marx und Franz Müntefering näher zu fassen. Nach Marx sei der Unternehmer Werkzeug einer alles verschlingenden Hydra des Kapitalismus; Müntefering hingegen billige den Unternehmen die Fähigkeit zu, gesellschaftlich verantwortlich zu handeln - auch ohne "Heuschrecken"-Mentalität.

          Reiner Manstetten (Universität Leipzig-Halle) kritisiert im Rekurs auf Aristoteles und Kant Konzepte, die an den eingeschränkten Prämissen des Homo oeconomicus festhalten. Sie verfehlten die ethische Eingangsvoraussetzung einer "Fähigkeit zur Teilhabe am Menschsein" überhaupt. Gerd Hanekamp (Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler) entwickelt ein Stufenmodell für Entscheidungen und Konfliktlösungen in Unternehmen auf der Basis eines konstruktivistischen Kulturverständnisses.

          Den Zusammenhang von unternehmerischer Verantwortung und gesellschaftlich-kulturellem Wertewandel belegen die praktischen Beispiele von Projekten der Corporate Social Responsibility (CSR) im dritten Teil des Bandes. Burkhard Remmers erläutert, wie sich das mittelständische Büromöbelunternehmen Wilkhahn durch einen unternehmenskulturell fundierten Änderungsprozess als gesellschaftlich verantwortlicher Akteur positioniert. Von der Einführung motivierender Arbeitsstrukturen für ältere Mitarbeiter am Beispiel der KSB AG berichtet Armin Zisgen. Die Akademie-Absolventen gehen im vierten und fünften Teil des Bandes pragmatischer und selbstverständlicher mit bereits bestehenden Instrumenten ethischer Unternehmensführung um. In diesen kreativen Beiträgen holt die Theorie die Praxis durchaus ein. Offensichtlich bewirkt die zunehmende Professionalisierung unternehmerischer Ethik-Aktivitäten auch ein gewandeltes akademisches Selbstverständnis - zumindest beim wissenschaftlichen Nachwuchs.

          MARCUS KREIKEBAUM.

          Thomas Beschorner und Matthias Schmidt (Herausgeber): Unternehmerische Verantwortung in Zeiten kulturellen Wandels. Rainer-Hampp-Verlag, München 2006, 271 Seiten, 24,50 Euro.

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