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: Mehr muss her

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Paul Krugman hat ein neues Buch geschrieben, das eigentlich ein altes ist. Vor zehn Jahren erschien "Die große Rezession - Was zu tun ist, damit die Weltwirtschaft nicht kippt", und Krugmans aktuelles Werk, "Die neue Weltwirtschaftskrise", ist letztlich eine um einige Kapitel ergänzte Neuauflage des alten, das sich vor allem um die Asien-Krise drehte.

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          Paul Krugman hat ein neues Buch geschrieben, das eigentlich ein altes ist. Vor zehn Jahren erschien "Die große Rezession - Was zu tun ist, damit die Weltwirtschaft nicht kippt", und Krugmans aktuelles Werk, "Die neue Weltwirtschaftskrise", ist letztlich eine um einige Kapitel ergänzte Neuauflage des alten, das sich vor allem um die Asien-Krise drehte. Dass Krugman ein altes Buch zur neuen Krise veröffentlicht hat, passt zu seiner These, dass auch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise ähnliche Ursachen hat wie die Krisen der jüngeren Vergangenheit.

          Die Aufforderung des Nobelpreisträgers lautet deshalb, aus früheren Fehlern zu lernen. Überhaupt fordert der derzeit vielleicht bekannteste Ökonom der Welt gerne und viel. Von der deutschen Regierung etwa mehr Geld gegen die Krise. Im eigens für die deutsche Ausgabe geschriebenen Vorwort geht Krugman mit Berlin hart ins Gericht und kritisiert den - inzwischen bekanntermaßen aufgegebenen - Versuch, sich dem Milliardenwettlauf gegen die Krise zu widersetzen. "Aus unerfindlichen Gründen", schreibt Krugman, "scheinen deutsche Spitzenpolitiker das ungeheure Ausmaß der Krise oder die Notwendigkeit einer energischen Reaktion einfach nicht zu begreifen."

          Krugman schildert den Aufstieg des Kapitalismus, der derzeit "weltweit unangefochten" das Regiment führe, und er schildert den großen Irrtum der Ökonomen, die glaubten, das Phänomen der Konjunkturzyklen so weit gezähmt zu haben, dass Depressionen vermeidbar seien. Dabei stellt er immer wieder darauf ab, dass aus den Rückschlägen in Krisenländern die falschen Lektionen gelernt worden seien. In den hinteren Kapiteln wendet sich Krugman der aktuellen Krise zu. Anschaulich beschreibt er, wie in Amerika die Immobilienblase die Aktienblase ablöste, wie Häuserkredite immer fahrlässiger vergeben wurden und wie Giftpapiere, die CDOs oder ARS hießen, in die Welt kamen. Anders als in seinem ersten Buch attackiert Krugmann auch den früheren Chef der Notenbank Fed, Alan Greenspan. Als dieser aus dem Amt schied, schreibt Krugman, habe ihn ein "Glorienschein" umgeben. Doch: "Nicht ganz drei Jahre später war Greenspan untendurch." Krugman gesteht Greenspan zwar zu, dass seine Geldpolitik zu dem spektakulären Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Clinton-Jahren beigetragen habe. Was aber "den irrationalen Überschwang an den Kapitalmärkten" angehe, sei Greenspan nicht erfolgreich gewesen.

          Jetzt, verlangt Krugman, müssten vor allem sehr schnell die Kredite wieder zum Laufen gebracht werden, dazu sei eine Rekapitalisierung der Banken nötig, auch um den Preis der Verstaatlichung. Und gegen die Rezession, die im Schlepptau der Finanzkrise kam, empfiehlt Krugman: Keynes. Die "gute alte Nachfrageökonomik" habe in der gegenwärtigen Lage einiges zu bieten.

          Darüber ließe sich vielleicht streiten. Unstrittig ist dagegen Krugmans große Stärke als Autor - seine verständliche Sprache. Er schreibt leicht, flott und unterhaltsam. Und er bedient sich bildhafter Beispiele, anhand deren auch Nichtökonomen verstehen können, wie eine Zinssenkung der Zentralbank oder die Ausweitung der Geldmenge in einer Krise wirken können. Sein Buch liest sich an manchen Stellen wie ein Krimi der Krisengeschichte; auch Krugmans leiser Witz trägt den Leser durch das Buch. Wer etwas über das gefährliche Pflaster der Weltwirtschaft lernen will oder über die Risiken eines nicht regulierten Systems aus Schattenbanken, der ist richtig bei Krugman.

          HENRIKE ROSSBACH

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