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: Mehr als eine Wirtshauskeilerei

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Im Jahre 2009 brach in der deutschen Volkswirtschaftslehre ein schwerer Konflikt aus, der den historisch beladenen und vielleicht etwas übertriebenen Beinamen "Methodenstreit" erhielt. Ausgehend von einem Streit über die Besetzung neuer Lehrstühle an der Kölner Universität, schienen zwei Lager unversöhnlich aufeinanderzuprallen.

          Im Jahre 2009 brach in der deutschen Volkswirtschaftslehre ein schwerer Konflikt aus, der den historisch beladenen und vielleicht etwas übertriebenen Beinamen "Methodenstreit" erhielt. Ausgehend von einem Streit über die Besetzung neuer Lehrstühle an der Kölner Universität, schienen zwei Lager unversöhnlich aufeinanderzuprallen. Die Vertreter einer traditionellen Auffassung von der Lehre von der Wirtschaftspolitik forderten, die in Deutschland früher verbreitete Trennung von Professuren in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik zu bewahren, und garnierten ihre Position mit Angriffen auf die stark empirisch ausgerichtete moderne Ökonomik, die, von Amerika ausgehend, auch nach Deutschland überschwappt. Dieser Auffassung standen die Vertreter der modernen Ökonomik gegenüber, die keinen Sinn in der Trennung von Theorie und Politik erkennen und ihren Gegnern mehr oder wenig offen Unkenntnis zeitgenössischer Ökonomik vorwarfen.

          Der Streit, der zeitweise mehr an eine Wirtshauskeilerei als an einen akademischen Disput erinnerte, fand ein gewisses Ende mit einer Veranstaltung an der Goethe-Universität in Frankfurt, die nun in Buchform vorliegt. Hier ließen die Kombattanten die Fausthandschuhe zu Hause; stattdessen debattierten die Teilnehmer über den "Methodenstreit" aus erkenntnistheoretischer und theoriegeschichtlicher Perspektive. Das erste Kapitel vereinigt Beiträge, die sich mit dem Verhältnis der Ökonomik zu ihren gesellschaftswissenschaftlichen Nachbardisziplinen beschäftigen. An zwei Beiträge, die sich mit der Behandlung der Wirtschaftspolitik an deutschen und an britischen Universitäten befassen, folgt der Hauptteil mit fünf Aufsätzen, die aus unterschiedlichen Perspektiven für einen Pluralismus der Methoden in der Ökonomik plädieren. Eine Auswahl: Nils Goldschmidt beschreibt die Genese von Normen in den Wirtschaftswissenschaften anhand des deutschen Ordoliberalismus. Manfred Streit erkundet den Weg von der ordoliberalen Freiburger Schule zum modernen amerikanischen Institutionalismus. Carl-Christian von Weizsäcker beschäftigt sich mit dem Konzept des "Homo Oeconomicus" in historischer Betrachtung. Das Fazit dieser Betrachtungen lautet: Eine ökonomische Wissenschaft, die den Methodenpluralismus nicht zulässt, droht zu verarmen.

          GERALD BRAUNBERGER.

          Volker Caspari / Bertram Schefold (Hg.): Wohin steuert die ökonomische Wissenschaft?

          Campus, Frankfurt 2011, 320 Seiten, 29,90 Euro

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