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: Mechanische Märkte

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Es ist ein Kreuz mit der modernen Finanzmarkttheorie. Ihre herrschende Version, die Hypothese effizienter Finanzmärkte, unterstellt rationales Verhalten der Marktteilnehmer und gefällt durch ihren Rigorismus. Nicht erst die Finanzkrise hat begründete Zweifel aufkommen lassen, ob die Realität viel mit dieser theoretischen Beschreibung gemein hat.

          Es ist ein Kreuz mit der modernen Finanzmarkttheorie. Ihre herrschende Version, die Hypothese effizienter Finanzmärkte, unterstellt rationales Verhalten der Marktteilnehmer und gefällt durch ihren Rigorismus. Nicht erst die Finanzkrise hat begründete Zweifel aufkommen lassen, ob die Realität viel mit dieser theoretischen Beschreibung gemein hat. Herausgefordert wird die dominierende Theorie, für deren Entwicklung Nobelpreise vergeben wurden, von der Behavioral Finance, der verhaltenswissenschaftlichen Finanzforschung. Sie sieht den Menschen als weniger rational an als die konkurrierende Schule.

          Die Ökonomen Roman Frydman (New York University) und Michael D. Goldberg (University of New Hampshire) finden sowohl die Schule der effizienten Märkte als auch die Behavioral Finance einseitig und Ausdruck eines mechanischen Denkens über Märkte. Für sie sind Märkte dynamische Orte, ihre Ergebnisse sind unkalkulierbar. Marktteilnehmer bewegen sich unter Unsicherheit, wissen nicht alles und bemühen meist ihren Verstand, manchmal aber auch ihr Gefühl, um sich zurechtzufinden. Dass man Marktwirtschaftler sein kann, ohne die Annahme rationaler Erwartungen zu teilen, zeigt das Beispiel des Nobelpreisträgers Ned Phelps, mit dem Frydman zusammengearbeitet hat. Die Spurensuche von Frydman und Goldberg ist interessant. Wohin sie noch führt, ist schwer absehbar.

          gb.

          Roman Frydman / Michael D. Goldberg: Beyond Mechanical Markets.

          Princeton University Press, Princeton 2011. 286 Seiten, 35,- Dollar.

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