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: London. New York. Frankfurt.

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Zu den beeindruckendsten Unternehmern des 19. Jahrhunderts gehörten die Brüder Emile und Isaac Pereire. Sie gründeten im Jahre 1852 in Paris mit dem Crédit Mobilier eine Bank, die in die Unternehmensgeschichte als erste bedeutende Aktienbank und als mutiger Finanzierer innovativer Industrien eingegangen ist.

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          Zu den beeindruckendsten Unternehmern des 19. Jahrhunderts gehörten die Brüder Emile und Isaac Pereire. Sie gründeten im Jahre 1852 in Paris mit dem Crédit Mobilier eine Bank, die in die Unternehmensgeschichte als erste bedeutende Aktienbank und als mutiger Finanzierer innovativer Industrien eingegangen ist. Mit dem Crédit Mobilier und anderen Bankgründungen wollten die Brüder Pereire nicht zuletzt die Kontrolle über das damals in raschem Wachstum befindliche Eisenbahnwesen erlangen. Dieses Unterfangen brachte ihnen allerdings die entschiedene Gegnerschaft des berühmten Bankhauses Rothschild ein. Das heute weitgehend in Vergessenheit geratene Duell Rothschild gegen Pereire bildet fraglos eine der spannendsten Episoden der Finanzgeschichte.

          Wie das Duell ausging, steht in einem von dem an der Universität Genf lehrenden Wirtschaftshistoriker Youssef Cassis verfassten Buch über die Geschichte der internationalen Finanzzentren von 1780 bis 2005. Cassis hat das überaus reichhaltige Material kompakt, aber zuverlässig auf rund 400 Seiten zusammengefasst; der Rest des Buches besteht überwiegend aus Anmerkungen und Literaturhinweisen.

          Der Aufbau ist konventionell. An die Ära der Privatbankiers (1780 bis 1840) schließt sich die Konzentration des Kapitals mit der Bildung großer Aktienbanken an (1840 bis 1875). Danach behandelt Cassis die erste Globalisierung (1875 bis 1914) und das Zeitalter der Kriege und der Depression (1914 bis 1945). Die Nachkriegszeit unterteilt er in zwei Kapitel: Der Periode des kräftigen Wirtschaftswachstums trotz starker staatlicher Regulierung (1945 bis 1980) folgt die zweite Globalisierung, die unter anderem mit der Entwicklung zahlreicher neuer Finanzprodukte einhergeht.

          Cassis' Werk liest sich umso spannender, je weiter er in die Geschichte zurückgeht. Die Beschreibung der Finanzzentren bis zum Jahre 1945 ist gut gelungen, zumal der Autor der Versuchung widersteht, London zum alleinigen Mittelpunkt der Finanzwelt zu erklären. Fraglos war London seinerzeit die wichtigste Finanzmetropole, aber Paris blieb nicht weit zurück, und mit Berlin und New York entstanden zusätzliche Konkurrenten. Andererseits widersteht Cassis auch der Versuchung, sich einer verbreiteten, aber zu vereinfachenden Meinung anzuschließen, der Erste Weltkrieg habe den Finanzplatz London entscheidend geschwächt und hinter New York zurückfallen zu lassen.

          Die Beschreibung der Zeit nach 1945 gerät dagegen etwas farblos. Der Grund ist, dass Cassis sich hier weitgehend auf die Ereignisgeschichte beschränkt und kaum mehr Personen beschrieben werden. In der Geschichte bis 1945 tauchen dagegen bedeutende und interessante Bankiers auf wie die Rothschilds, die Pereires oder Pierpont Morgan. So ist ein Buch entstanden, das als Überblick über die Geschichte der Finanzzentren insgesamt zu empfehlen ist, trotz eines zu hohen Preises und trotz der Tatsache, dass der Name der Bank Paribas konsequent falsch Parisbas geschrieben wird.

          GERALD BRAUNBERGER

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