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: Krise. Märkte. Zuversicht

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Kann man auf rund 120 Taschenbuchseiten einen nicht nur beschreibenden, sondern auch analytischen Abriss der Geschichte der Wirtschaftskrisen geben, der nicht nur belehrend wirkt, sondern auch gut zu lesen ist? Man kann. Geschafft hat dieses Kunststück der Frankfurter Wirtschafts- und Sozialgeschichtler Werner Plumpe.

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          Kann man auf rund 120 Taschenbuchseiten einen nicht nur beschreibenden, sondern auch analytischen Abriss der Geschichte der Wirtschaftskrisen geben, der nicht nur belehrend wirkt, sondern auch gut zu lesen ist? Man kann. Geschafft hat dieses Kunststück der Frankfurter Wirtschafts- und Sozialgeschichtler Werner Plumpe. Das Buch ist notwendigerweise sehr kompakt verfasst und liest sich mit wirtschaftlichen Vorkenntnissen besser als mit der Perspektive des völligen Laien.

          Plumpes Kernthese ist durch Joseph A. Schumpeter beeinflusst und lautet, dass Wirtschaftskrisen zum Kapitalismus gehören wie ein Gewitter zu einem heißen Sommertag. Krisen entstehen als Folge einer starken Wachstumsdynamik in der Wirtschaft, die zu Übertreibungen führt. Krisen sind nicht das Ende der Geschichte. Daher lohnt es sich, sie unaufgeregter wahrzunehmen, als dies viele Menschen tun.

          Im Jahr 2010 sind wiederum zahlreiche Bücher erschienen, die in der einen oder anderen Form durch die Wirtschafts- und Finanzkrise inspiriert wurden. Aber so, wie es der menschlichen Natur entspricht, nicht dauerhaft Krisengerede hören zu wollen, malen die Krisenbücher des Jahres 2010 die Welt nicht unbedingt in Schwarz. Plumpes Buch ist hierfür ein Beispiel.

          Wer sich auf deutschsprachige Literatur beschränken möchte, kann seit einigen Monaten das neue Standardwerk über Finanzkrisen von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ("Dieses Mal ist alles anders", Finanzbuch-Verlag) studieren. Die Reichhaltigkeit des statistischen Materials beeinträchtigt allerdings den Lesegenuss - es ist mehr ein analytisches denn ein erzählendes Werk. Einen erzählerischen Ansatz wählt dagegen Liaquat Ahamed in seiner materialreichen und breit geratenen, aber gut lesbaren Schilderung der Zwischenkriegszeit aus der Perspektive von vier europäischen Geldpolitikern ("Die Herren des Geldes", Finanzbuch-Verlag).

          Wer sich für den Ablauf der aktuellen Krise interessiert, wird an Andrew Ross Sorkins intimer, nahezu minutiöser Schilderung der Vorgeschichte und des Verlaufs des Untergangs von Lehman Brothers nicht vorübergehen können. Sorkin, ein noch junger Journalist der "New York Times", hat mit einer Vielzahl von damals handelnden, darunter Vorstandsvorsitzenden großer Banken und ranghohen politischen Verantwortlichen gesprochen. Für seine Schilderung wählt Sorkin mit dem schnellen Wechsel kurzer Episoden eine Technik aus dem modernen Kriminalroman, die eine spannende Lektüre garantiert.

          Hedge-Fonds spielen eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten. Aber was sind eigentlich Hedge-Fonds, wer sind ihre Geldgeber und Manager, und wie einflussreich sind sie wirklich? Das sind Fragen, auf die man gerade in Deutschland selten eine kompetente Antwort hören wird. Denn Hedge-Fonds werden in Deutschland zwar gerne verteufelt, aber außerhalb der Finanzbranche kennt sich kaum jemand mit ihnen aus.

          Der Wissenschaftler und Publizist Stephen Mallaby hat drei Jahre lang für sein Buch über Hedge-Fonds recherchiert und im Verlauf seiner Arbeit mit nahezu allen führenden Hedge-Fonds-Managern gesprochen: mit Pionieren wie Michael Steinhardt und George Soros oder Jim Simons sowie mit heute aktiven Branchengrößen, darunter Ken Griffith, Paul Tudor Jones und David Einhorn. Mallaby erzählt und analysiert die Hedge-Fonds-Branche seit ihrer Entstehung vor einigen Jahrzehnten, wobei er nicht zuletzt der Beschreibung der handelnden Personen viel Platz einräumt. Das Buch ist ungewöhnlich spannend und lehrreich auch für Leser, die Mallabys These von der weitgehenden Unbedenklichkeit der Hedge-Fonds nicht teilen möchte.

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