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: Keine Formsache

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Was macht eigentlich ein gutes volkswirtschaftliches Lehrbuch aus? Es muss verständlich sein, Anwendungsbezug haben, möglichst umfassend sein und Interesse bei den potentiellen Kunden, den zu Belehrenden, wecken. So gesehen ist das Buch von Sibylle Brunner (Hochschule Neu-Ulm) und Karl Kehrle (Hochschule ...

          Was macht eigentlich ein gutes volkswirtschaftliches Lehrbuch aus? Es muss verständlich sein, Anwendungsbezug haben, möglichst umfassend sein und Interesse bei den potentiellen Kunden, den zu Belehrenden, wecken. So gesehen ist das Buch von Sibylle Brunner (Hochschule Neu-Ulm) und Karl Kehrle (Hochschule München) ein gutes Lehrbuch: Es ist verständlich und umfassend, enthält viele realitätsnahe und interessante Anwendungsbezüge, was wiederum bei den Studenten Interesse wecken sollte.

          Die Aufteilung des Buches ist mithin traditionell gehalten: Nach einem einführenden Kapitel zu den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre ist der zweite große Block der Mikroökonomik gewidmet, der dritte Teil enthält die Makroökonomik, und der vierte Teil beschäftigt sich mit den Grundlagen der monetären Außenwirtschaft. Der ökonomisch vorgebildete Leser wird höchst zufrieden mit diesem Buch sein, findet er doch dort alles, was für die Grundlagen seiner Disziplin unentbehrlich ist, auf angemessenem Niveau, anschaulich und verständlich erörtert.

          Und doch - legt man das Buch von Brunner und Kehrle neben eine der Einführungen in die Ökonomie aus angelsächsischer Feder, so wird sofort der Unterschied deutlich: Die angelsächsischen Bücher sind bunter, flotter, leichter gesetzt, mit Grafiken, Bildern, Karikaturen, Randerläuterungen oder anderen optischen Blickfängen geschmückt - neben ihnen sehen die meisten deutschen Lehrbücher leider staubtrocken aus. Nun ist dies nicht die Schuld der Autoren. Es mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass englischsprachige Bücher in höheren Auflagen erscheinen und damit von sinkenden Durchschnittskosten profitieren.

          Dennoch: Die meisten deutschen Studenten werden nach Besichtigung die angelsächsische Einführung vorziehen, alleine deswegen, weil sie die attraktivere Optik hat. Im Falle des Buches von Brunner und Kehrle ist das nicht zwingend die richtige Entscheidung, es kann, was Inhalt und Didaktik angeht, mit dieser Konkurrenz locker mithalten. Man sollte also als bemühter Student bisweilen über den eigenen Schatten springen und mehr auf den Inhalt eines Buches achten - die Form ist allenfalls die Zugabe.

          HANNO BECK

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