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Nadja Schnetzler: Die Ideenmaschine. Methoden statt Geistesblitz. Wie Ideen industriell produziert werden. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2004, 229 Seiten, 29,90 Euro.Ein schräges Buch für schräge Ideen von einer schrägen Autorin? Nadja Schnetzler, Mitgründerin und Vorstand der Brainstore AG aus ...

          Nadja Schnetzler: Die Ideenmaschine. Methoden statt Geistesblitz. Wie Ideen industriell produziert werden. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2004, 229 Seiten, 29,90 Euro.

          Ein schräges Buch für schräge Ideen von einer schrägen Autorin? Nadja Schnetzler, Mitgründerin und Vorstand der Brainstore AG aus dem schweizerischen Biel, hätte vermutlich nichts dagegen, wenn man ihr Buch so charakterisierte. Schließlich sind schon die Typen, mit deren Hilfe sie "einen ausgeklügelten Ideen-Produktionsprozeß und ein System aus 16 frei kombinierbaren Basisverfahren" entwickelt, alles andere als Wunschkandidaten biederer Personalleiter. Toth, langhaariger Heavy-Metal-Rocker, René, 17jähriger Schulabbrecher, aber genialer Texter, Nicolet, nichts als aufgekratzte Göre, sowie ein paar Dutzend anderer schräger Vögel haben im Laufe der vierzehnjährigen Geschichte von Brainstore in diesem Unternehmen ihre Duftmarken hinterlassen. "Leute mit einem geradlinigen und beeindruckend konsistenten Lebenslauf haben bei uns einen schweren Stand", meint Nadja Schnetzler. Ihr Grundprinzip für die Ideensuche: Man mische freche Teenager, die Dinge mit natürlicher Naivität und aus einem extremen Blickwinkel sehen, mit gestandenen Führungskräften, die auf "geht nicht", "schon probiert" und "kenn' ich schon" programmiert sind. In solchen gemischten Ideen-Workshops tauten die Krawattenträger regelrecht auf und hätten jede Menge Spaß an der Sache.

          Unbestritten ist für Schnetzler: Autodidakten sind die besseren "Ideenfabrikanten". Womit wir beim Thema des Buches wären: Gute Ideen, egal wofür, entstünden nicht zufällig. Man könne sie am besten in einem strukturierten Prozeß entwickeln, der nach festem Ablaufschema und mit definierten Werkzeugen arbeitet. Deshalb auch das - in diesem Zusammenhang ungewohnte - Bild von der Maschine. Die Teile dieser "Brainstore-Maschine" heißen Ideenbeschaffung, Ideenverdichtung, Ideenselektion und Ideenumsetzung. Gesteuert wird das Ganze durch das Ideenmanagement. Diese fünf Elemente bilden zugleich die Grobstruktur des Buches. Die dazugehörenden, ausführlich beschriebenen Werkzeuge kommen zum Beispiel als "TrendScouting", "KickOff", "CreatingCommunity", "IdeaCity", "LavaLamping" oder "BrainShaping" daher.

          Beim ersten Lesen ertappte sich der Rezensent bei dem Gedanken, diesem schrägen Haufen den Verein Deutsche Sprache auf den Hals zu hetzen: Was für eine krasse Sprachpanscherei. Je öfter man allerdings das Buch zur Hand nimmt, desto mehr erliegt man seinem unbekümmerten Charme. Erst schluckt man die Kröte der Maschinen-Metapher, dann verzeiht man - wenn auch unter Schmerzen - die anglizistischen Absonderlichkeiten, und schließlich läßt man sich noch von den seriösen Namen beeindrucken, die sich der Brainstore-Ideenmaschine bedienen: Die Liste reicht von Rolex, Nestlé und BMW bis zu Neckermann, der Universität Genf und der Schweizerischen Bahn. Es muß also etwas dran sein an dieser "industriellen Produktion" von Ideen.

          HEINZ K. STAHL

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