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: Greenspan war nicht schuld

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Die Tatsache, dass Hedge-Fonds-Betreiber ihre Geschäfte gerne auf mehrere kleine Fonds verteilen, veranlasst den Autor zu einer interessanten Argumentation: "Wären Hedge-Fonds volkswirtschaftlich nützliche Einrichtungen, die Risiken beherrschbar machen, indem sie sie mischen und konsolidieren, ähnlich wie es Versicherungsgesellschaften tun, dann hätten sie die Tendenz, sich zu großen Agglomeraten zusammenzuschließen, doch gerade das ist nicht der Fall. Sie sind Paradebeispiele für das Glücksrittertum, das durch die Ausnutzung der Haftungsbeschränkung zustande kommt."

Sinn macht deutlich, dass er einer überzogenen Deregulierungsideologie kritisch gegenübersteht. Er will Walter Eucken exportieren, damit die Amerikaner den Wert eines vernünftigen Ordnungsrahmens schätzen lernen. Vorher aber muss erst noch die Welt gerettet werden - durch John Maynard Keynes. Zu Sinns Remeduren zählen höhere Eigenkapitalquoten und eine Rückkehr zum Niederstwertprinzip in der Bilanzierung. Man muss nicht alle Positionen Sinns teilen. Aber wer dieses engagiert und kundig verfasste Buch liest, weiß danach, was sich seit Sommer 2007 abspielt.

Richard A. Posner ist Richter, in der Ökonomik aber vor allem als Professor in Chicago bekannt geworden, wo er eine bedeutende Rolle dabei spielte, Rechts- und Wirtschaftslehre zusammenzuführen. Schließlich erfreut sich sein mit dem Nobelpreisträger Gary Becker betriebener Blog hoher Wertschätzung. "A Failure of Capitalism" deutet eine Botschaft an, die man eher aus Harvard als aus Chicago erwarten würde. "Soweit man auf der Basis heutigen Wissens urteilen kann, ist die Depression das Ergebnis normalen Geschäftslebens in einem Wirtschaftsrahmen des Laissez-faire", schreibt Posner. "Die Marktteilnehmer haben viele Fehler gemacht, aber das ist Teil der Veranstaltung. Wann war es anders? Das Wirtschaftsleben ist mit Unsicherheit verbunden." Bestenfalls Spott hat er für Journalisten übrig, die seit der Krise Alarm rufen und mit der Wall Street nunmehr Begriffe wie Gier oder Übertreibung verbinden: "Was hatten die Reporter eigentlich vorher für eine Vorstellung von Geschäftsleuten?"

Posner sieht in der Geldpolitik Greenspans keine entscheidende Krisenursache - aus einem oft angeführten Grund: Der gewaltige Kapitalimport hielt das langfristige Zinsniveau derart niedrig, dass dies allein zur exzessiven Hypothekenvergabe einlud. Staatsversagen sieht Posner eher in einer unzureichenden Regulierung des Finanzsystems.

Mit der Nüchternheit des Richters konstatiert Posner die erschreckende Unfähigkeit berühmter Ökonomen, die Krise überhaupt zu akzeptieren. So sah der Nobelpreisträger Robert Lucas die Rezession auch dann noch nicht, als sie seit zehn Monaten im Gange war. Und wer sich als Ordnungsökonom darüber beklagt, dass unfähige Politiker und Bürokraten die Macht übernehmen, dem hält Posner entgegen, dass die wichtigsten Berater der Fed und des amerikanischen Finanzministeriums Banker aus der Wall Street sind.

Posner stellt der Regierung keinen Freifahrtschein aus: "Der Laissez-faire-Kapitalismus hat versagt, aber die Regierung ließ es zu, dass sich die Vorbedingungen der Depression entwickeln und fürchterliche Verheerungen in der Wirtschaft anrichten konnten. Und ihre Antworten waren spät, langsam, unentschlossen und armselig kommuniziert." Das Buch ist eine erfrischend geschriebene Lektüre eines Mannes, der Ökonomik kennt, ohne Ökonom zu sein.

Ein völlig anderes Buch stammt von Gillian Tett, einer preisgekrönten britischen Journalistin, die für die "Financial Times" schreibt. In "Fool's Gold" beschreibt sie die Finanzkrise und ihre Vorgeschichte sozusagen von innen, aus der Sicht von Marktteilnehmern. Ihr geht es nicht zuletzt um die Beschreibung, wie die modernen Finanzinstrumente entstanden sind und wie ein exzessiver Gebrauch zu Zwecken, für die sie nicht entwickelt wurden, das Finanzsystem an den Rand des Abgrunds führte. Die Autorin, die keine studierte Ökonomin, sondern Anthropologin ist, ließ sich von Beginn an wenig von Hymnen der Banker über die neuen Produkte beeindrucken, sondern warnte schon vor Ausbruch der Krise vor den Risiken.

Tetts Buch ist kein politisches, sondern eine spannende Finanzmarktgeschichte. Aber gerade darin besteht ein Wert gegenüber Werken aus der Feder von Autoren, die Finanzmärkte allenfalls aus der Distanz betrachten und deswegen gelegentlich zu arg vereinfachenden Krisenerklärungen neigen.

GERALD BRAUNBERGER

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