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: Gieriger Staat und verblendete Erben

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Brun-Hagen Hennerkes: Die Familie und ihr Unternehmen. Strategie, Liquidität, Kontrolle. Campus Verlag, Frankfurt 2004, 450 Seiten, 58 Euro.Ein Wirtschaftsbuch, in dessen Registeranhang Begriffe wie Ehe, Wertewandel und Wohnsitzverlegung auftauchen, erscheint nicht alle Tage. Gegenüber der sensationslüsternen ...

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          Brun-Hagen Hennerkes: Die Familie und ihr Unternehmen. Strategie, Liquidität, Kontrolle. Campus Verlag, Frankfurt 2004, 450 Seiten, 58 Euro.

          Ein Wirtschaftsbuch, in dessen Registeranhang Begriffe wie Ehe, Wertewandel und Wohnsitzverlegung auftauchen, erscheint nicht alle Tage. Gegenüber der sensationslüsternen Managementliteratur, den aufgebauschten Geldratgebern und den vermeintlichen Erfolgsrezepten zwischen zwei Buchdeckeln bleibt es unauffällig. Selbst der Titel "Die Familie und ihr Unternehmen" klingt nicht spektakulär. Hieraus auf Langweiligkeit zu schließen wäre aber voreilig. Denn der Stuttgarter Rechtsanwalt Brun-Hagen Hennerkes hat ein Buch verfaßt, dessen Inhalt betriebliche Einsichten, praktische Ratschläge und Lesevergnügen auf gelungene Weise verbindet.

          Beruf und Leidenschaft von Hennerkes sind die Familienunternehmen. Seit mehr als drei Jahrzehnten verfolgt er als Anwalt, als Berater und auch als Publizist die damit verbundenen Fragen. Eine kritische Distanz gegenüber den inhabergeführten Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, ist in dem Buch daher nicht zu erwarten. Und auch Hennerkes hat erfahren müssen, daß das Erfolgsrezept für den einen Betrieb nicht als Blaupause für den nächsten taugte. All dies hindert den Autor nicht, die mittelständischen Familienunternehmen als die den Kapitalgesellschaften überlegene Unternehmensform darzustellen. Sie seien "in der Regel langfristig erfolgreich, äußerst flexibel, standorttreu und handeln ihren Mitarbeitern gegenüber sozial verantwortungsvoll". Die Kritik zielt vor allem auf die Politik, die unverständlicherweise die "heimatlosen" internationalen Konzerne begünstige und andererseits die Mittelständler mit Regulierungswut und erdrückenden Bestimmungen zur Erbschaftsteuer überziehe.

          Eigene Fehler der Familienunternehmen entdeckt der Verfasser - nicht überraschend - vor allem in den Nachfolgeregelungen. Ratschlägen für geeignete Vorkehrungen, beispielsweise gegen ungeeignete Erben in der Geschäftsführung, räumt er daher breiten Raum ein. Überhaupt stellt die Fülle konzentriert aufbereiteter Empfehlungen einen der Vorzüge des Buches dar. Der andere Gewinn für den Leser besteht in den vielen praktischen Erfahrungen, mit denen Hennerkes seine Thesen untermauert.

          Mit den Unternehmensberatungen, die oftmals für viel Geld gerade den Familienunternehmen wenig liefern, geht der Anwalt vergleichsweise milde um. Schärfer ist der Blick auf die Banken, die sich zum Beispiel heute unter dem Schutzschild der neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel II viel zu oft aus einem schon lange mißliebigen Kreditengagement verabschiedeten. Und die in Mode gekommene Eigenkapitalzufuhr über außenstehende Investoren (Private Equity) sieht Hennerkes ausgesprochen kritisch: Es enge den Unternehmer durch die zwangsläufig starke Mitsprache und darüber hinaus durch die bindende Vereinbarung über die Ausstiegsmodalitäten der Investoren besonders ein.

          In dem Buch gewinnt der Leser auch ohne Spezialwissen einen Überblick über die vielen Anforderungen, denen ein Unternehmer heute gegenübersteht - von Steuerfragen über die Datenverarbeitung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Dem Unternehmer selbst widerstrebt die Komplexität zutiefst. Hennerkes schreibt: "In einer Welt, die scheinbar immer schwieriger wird, setzt er bewußt auf die einfache Lösung, schon weil seine Ressourcen begrenzt sind und weil es ohnehin vernünftig ist, menschlichem Handeln Grenzen zu setzen." Dies ist die Chance des Unternehmers: Beherrschbare Strukturen, während sich die Konkurrenz in Bürokratie verheddert.

          JÜRGEN DUNSCH

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