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: Eigeninteressen sind erlaubt

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"Firma vor Familie" - dieser Grundsatz wird stets gerne zitiert, wenn es gilt, jungen Familiengesellschaftern die anspruchsvolle Aufgabe ihrer Inhaberverantwortung deutlich zu machen. Hermut Kormann glaubt, dass diese Argumentation falsch ist. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des bedeutenden Maschinenbauers ...

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          "Firma vor Familie" - dieser Grundsatz wird stets gerne zitiert, wenn es gilt, jungen Familiengesellschaftern die anspruchsvolle Aufgabe ihrer Inhaberverantwortung deutlich zu machen. Hermut Kormann glaubt, dass diese Argumentation falsch ist. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des bedeutenden Maschinenbauers Voith GmbH ist vielmehr davon überzeugt, dass neue Mitglieder im Gesellschafterkreis nicht von vornherein auf den unbedingten Verzicht auf ihre individuellen Interessen verpflichtet werden müssen und sollten.

          Die Beziehung zwischen Familie und Firma, zwischen den Interessen des individuellen Erben und der Eignergemeinschaft, ist nach seiner Ansicht in erster Linie eben nicht durch eine Konkurrenz gekennzeichnet, sondern im Idealfall für Gesellschafter und Unternehmen durch eine gegenseitige und vor allem nachhaltige Bereicherung.

          Wie anspruchsvoll die Aufgabe eines guten Gesellschafters ist, haben Familien, Berater und Wissenschaftler immer wieder betont. Wie komplex die Aufgabe aber im Alltag wirklich wird, führt erst Kormann, Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig sowie am Institut für Familienunternehmen der Zeppelin University in Friedrichshafen, in den zwölf Kapiteln seines gut geschriebenen Buchs vor Augen. Die Kernaufgabe sieht er im Zusammenhalt der Gesellschafterfamilie: Sie erfordert eine verantwortungsbewusste Elternschaft und Erziehung. Sie verlange nach der Fähigkeit, Bindungen zwischen den Gesellschaftern einer Generation und über Generationen hinweg zu schaffen.

          Kormann spricht Konzepte und Begriffe an, die in der Betriebswirtschaftslehre bisher kaum Beachtung gefunden haben. Sie sind für den langfristigen Fortbestand von Familienunternehmen tatsächlich jedoch viel bedeutender als Organisations- oder Corporate-Governance-Modelle, die nicht selten in erster Linie der Selbstvermarktung von Beratern dienen. Kormann geht es nicht um Modelle, sondern um das wahre Leben. Er weist Familienunternehmer darauf hin, dass man die dominierenden Geistesströmungen einer jeweiligen Zeit nutzen müsse, statt sie zu bekämpfen. Dazu gehört nach seiner Meinung vor allem das Recht auf Selbstverwirklichung und die Individualität der Lebensentwürfe.

          Deshalb relativiert Kormann auch die Bedeutung der Konfliktvermeidung in Gesellschafterfamilien: In einer individualisierten Gesellschaft seien auch Konflikte in Familien normal - und im Sinne einer sachlichen Kontroverse über die beste Unternehmensstrategie sogar wünschenswert. Zu Trennungen führten solche Konflikte selten, solange starke persönliche Bindungen bestünden. Diese Bindungen stehen im Mittelpunkt von Kormanns Buch. Um sie zu schaffen, stehe den Gesellschaftern eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung.

          Kormann zeigt deshalb, wie Bindungen durch unternehmensbezogene Ämter, eine faire Familienverfassung, eine respektvolle Kommunikation untereinander, aber auch durch materiellen Nutzen und Vermögenssicherung geschaffen werden können. So demonstriert Kormann in konkreten Rechenbeispielen und mit klarer Sprache, wie schwierig es wäre, nach einem Verkauf eigener Anteil an einem Unternehmen durch die reine Kapitalanlage eine Rendite zu erzielen, die mit der aktuell im Unternehmen erwirtschafteten vergleichbar wäre.

          Wenigen Gesellschaftern sei bewusst, dass sie auf ihr Unternehmen angewiesen seien, um ihr Vermögen zu erhalten oder in dem Maße wachsen zu lassen, wie es für die Versorgung weiterer Nachkommen notwendig ist. Dem Buch liegt die einfache Überzeugung zugrunde: "Es lohnt sich, Träger eines Familienunternehmens zu sein."

          CARSTEN KNOP.

          Hermut Kormann: Zusammenhalt in der Unternehmerfamilie.

          Springer Verlag, Berlin, 2011, 458 Seiten, 79,95 Euro.

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