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: Die Lieblingslektüre der Ökonomen

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In den vergangenen Monaten sind eine Reihe wirklich sehr guter Analysen zu den Herausforderungen an den Wirtschaftsstandort Deutschland erschienen, aber besonders hat mich das Buch von Hans-Werner Sinn "Ist Deutschland noch zu retten?" beeindruckt. Es besticht erstens durch seine profunde Sachkunde, welche auch Fachkollegen überzeugt. Des weiteren ist es sehr verständlich und anschaulich geschrieben, so daß auch der gebildete Laie die Argumentation ohne weiteres nachvollziehen kann. Schließlich spürt man allenthalben das nahezu leidenschaftliche Engagement des Autors für sein Land und die Menschen einschließlich der künftigen Generationen. Kurzum: Brillant, scharfsinnig und in den meisten Aspekten überzeugend. Was will man mehr?

Otmar ISSING ist Chefvolkswirt und Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank.

Martin Wolf: Why Globalisation Works. Yale University Press, New Haven und London 2004, 416 Seiten, 31,44 Euro.

Hans-Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten? Econ Verlag, München 2003, 499 Seiten, 25 Euro.

Die öffentliche Diskussion über wirtschaftpolitische Themen zeichnet sich im allgemeinen nicht durch großen Tiefgang aus. Die Ökonomen sind daran nicht ganz unschuldig, tragen sie doch oft nur wenig dazu bei, die Öffentlichkeit in verständlicher Weise aufzuklären. Deshalb möchte ich aus der Flut von Veröffentlichungen zwei Bücher hervorheben, die diese Aufgabe erfüllen: Martin Wolfs "Why Globalisation Works" und "Ist Deutschland noch zu retten?" von Hans-Werner Sinn. Der jeweilige Titel charakterisiert den Inhalt. Beide Bücher sind mit Engagement und dem nüchternen Urteil des Ökonomen geschrieben. Wer zu diesen Themen sachkundige Argumente und ein konsistentes Gesamturteil sucht, wird die Lektüre nicht bereuen.

Rudolf HICKEL lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bremen und ist Mitbegründer der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

Michael Heine/Hansjörg Herr: Die Europäische Zentralbank - Eine kritische Einführung in die Strategie und Politik der EZB. Metropolis-Verlag für Ökonomie, Gesellschaft und Politik, Marburg 2004, 234 Seiten, 19,80 Euro.

Aus der Vielzahl von Fachbüchern im Bereich der Wirtschaftswissenschaft sticht die im April 2004 vorgelegte Publikation von Heine/Herr zur "Europäischen Zentralbank" hervor. Theoretisch fundiert, empirisch ausgerichtet und praxisorientiert werden gut lesbar die Grundlagen, das Konzept sowie die geldpolitischen Instrumente des Notenbankmonopols EZB zugänglich gemacht. Die im Titel betonte "kritische Einführung" zur EZB resultiert aus dem theoretisch überzeugenden Nachweis, daß die Geldnachfrage instabil ist und damit eine mechanistische Steuerung der Geldmenge nicht gelingen kann. Die EZB erhält den Rat, von der Illusion des Monetarismus zur Ultrastabilität moderner Wettbewerbswirtschaften zugunsten einer pragmatischen Geldpolitik abzurücken.

Wernhard MÖSCHEL ist Rechtsprofessor an der Universität Tübingen und Fachmann für das Wettbewerbs- und Europarecht.

Ernst-Joachim Mestmäcker/Heike Schweitzer: Europäisches Wettbewerbsrecht. 2. Auflage, C. H. Beck, München 2004, 98 Euro.

Das Wettbewerbsrecht steht auf der ganzen Welt vor neuen Herausforderungen. Dies hängt einerseits mit der Globalisierung zusammen, andererseits mit dem Vordringen ökonomischer Analysemethoden. Ernst-Joachim Mestmäcker, der Doyen des deutschen Wettbewerbsrechts, zieht in seinem Werk "Europäisches Wettbewerbsrecht", das im C.H. Beck-Verlag erschienen ist, die Summe seiner Erfahrungen.

Peter BOFINGER ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg und Mitglied des Sachverständigenrats.

Albrecht Müller: Die Reformlüge. Droemer, München 2004, 360 Seiten, 19,90 Euro.

Mir hat das Buch von Albrecht Müller, Die Reformlüge, sehr gut gefallen. In sehr sachlicher und systematischer Form werden dort viele der Vorurteile widerlegt, die jeden Sonntag abend im Fernsehen bei Sabine Christiansen die Runde machen. Albrecht Müller ist dabei das Kunststück gelungen, ein ausgeprochen spannendes Buch über grundlegende wirtschaftliche Zahlen und Fakten zu schreiben.

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