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: Die kalte Wirklichkeit

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Das Berufsleben von Managern gleicht einem Hindernislauf: Alle paar Meter laufen sie Gefahr, eine Latte zu reißen und dabei gehörig ins Straucheln zu geraten. Dabei scheinen die gesetzlichen Hürden immer höher und die juristischen Stolpersteine immer zahlreicher zu werden. "Managerhaftung ist kein ...

          Das Berufsleben von Managern gleicht einem Hindernislauf: Alle paar Meter laufen sie Gefahr, eine Latte zu reißen und dabei gehörig ins Straucheln zu geraten. Dabei scheinen die gesetzlichen Hürden immer höher und die juristischen Stolpersteine immer zahlreicher zu werden. "Managerhaftung ist kein Modethema", heißt es deshalb in dem Vorwort zum Handbuch Managerhaftung, "sondern kalte Wirklichkeit."

          Spektakuläre Fälle aus der jüngsten Vergangenheit - das Mannesmann-Verfahren gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Massenklagen gegen die Deutsche Telekom - rücken in den Vordergrund, worum es gehen kann: um Schadensersatzklagen in Millionenhöhe, um jahrelange strafrechtliche Ermittlungen, um nichts weniger als den Ruf eines globalen Konzerns. Das 1000 Seiten starke Werk der beiden Herausgeber, Rechtsanwalt Gerd Krieger von der Kanzlei Hengeler Mueller und der Wirtschaftsrechtler Uwe H. Schneider von der Technischen Universität Darmstadt, gibt deshalb nicht nur einen Überblick, wie solche Haftungsfälle vermieden werden können. Es beleuchtet auch, wie sich das Unternehmen unter dem strengen Blick der Öffentlichkeit wieder aufrappeln kann, wenn die Führungsebene tatsächlich auf die Nase gefallen ist.

          Dabei sind die Anforderungen an die Führungsebene so facettenreich wie dieser Beruf selbst: Der Sammelband umreißt die unterschiedliche Haftung von Vorständen, Geschäftsführern und Aufsichtsräten von Aktiengesellschaften, GmbHs, Genossenschaften oder Vereinen. Kaum ein Rechtsgebiet wird ausgespart: In den Niederungen des Steuer-, Kartell-, Sozialversicherungs- oder Umweltrechts lässt sich ebenso schnell die Orientierung verlieren wie im Gestrüpp der Bilanzierung oder der Kapitalmarktinformationen. Dabei haben sich die Haftungsnormen für die Organe in den vergangenen hundert Jahren eigentlich kaum geändert. Allerdings sind immer neue Pflichten hinzugekommen; die Verletzung dieser Vorgaben ist heute also sehr viel leichter möglich.

          Die Erläuterungen der Autoren richten sich dabei nicht in erster Linie an die akademische Gemeinde, sondern an die Manager selbst - und geraten deshalb nicht in die Gefahr, zu rechtstheoretisch zu werden. Die komplizierten Zusammenhänge werden in klaren Sätzen erläutert, ohne in rechtspolitische Tiraden abzugleiten. Nicht selten können die Fachleute aus dem Erfahrungsschatz ihrer Arbeit schöpfen, etwa wenn der Präsident des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen, Jürgen Brand, über die Fallstricke des Sozialversicherungsrechts schreibt oder der Syndikus der Deutschen Bank, Reinhard Marsch-Barner, über die Erstattung von Geldstrafen und Kosten der Verteidigung.

          Wie sehr sich das Handbuch an der Wirklichkeit orientiert, zeigt nicht zuletzt der dritte Teil, in dem die Außendarstellung der Manager in den Medien behandelt wird. Joachim Jahn, Redakteur dieser Zeitung, beschreibt darin, wie schnell aus einem unerfreulichen Haftungsfall ein wahres Kommunikationsdesaster werden kann - und was das Unternehmen dagegen unternehmen kann. Möglichkeiten zum Gegenschlag ergeben sich dabei viele: von Gegendarstellungen über Unterlassungsklagen bis hin zu Schadensersatzforderungen. Nur taktisch klug ist ein solches Vorgehen nicht immer.

          CORINNA BUDRAS

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