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: Die Herren des Geldes

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Wie mächtig Notenbanken sein können, erfuhren viele amerikanische Politiker erst während der jüngsten Krise, als die Notenbank Fed innerhalb kürzester Frist hohe Milliardenbeträge schuf. In ihrer Rolle an der Spitze der Pyramide der Finanzunternehmen sind Notenbanken in die Geldschöpfung eingebunden, sie garantieren die Zahlungsfähigkeit des Finanzsystems, und sie legen die Leitzinsen fest.

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          Wie mächtig Notenbanken sein können, erfuhren viele amerikanische Politiker erst während der jüngsten Krise, als die Notenbank Fed innerhalb kürzester Frist hohe Milliardenbeträge schuf. In ihrer Rolle an der Spitze der Pyramide der Finanzunternehmen sind Notenbanken in die Geldschöpfung eingebunden, sie garantieren die Zahlungsfähigkeit des Finanzsystems, und sie legen die Leitzinsen fest. Notenbanken sind als Kämpfer gegen Krisen bekannt - aber sie können auch zu ihrem Ausbruch beitragen.

          "In Fed We Trust" ist ein von dem erfahrenen amerikanischen Wirtschaftsjournalisten und zweifachen Pulitzer-Preisträger David Wessel verfasstes Buch über die Rolle der Fed in der aktuellen Krise. Das Werk ist flott und routiniert geschrieben und bietet viele Informationen. Wessel konnte mit wichtigen Personen wie Ben Bernanke und dem früheren Finanzminister Hank Paulson über sein Thema sprechen.

          Als Bernanke im Jahre 2006 seinem legendären Vorgänger Alan Greenspan folgte, hatte er sich zum Ziel gesetzt, die Spitze der Fed weniger monarchisch zu führen. Dort sitzen die sieben von der Regierung ernannten Gouverneure des Federal Reserve Board sowie die zwölf Präsidenten der regionalen Federal-Reserve-Banken, von denen aber nur fünf ein Stimmrecht besitzen. Wie Wessel schreibt, wurde die Fed seit dem Ausbruch der Krise faktisch von einer "Viererbande" geführt: mit Bernanke an der Spitze, den Gouverneuren Don Kohn und Kevin Warsh sowie, bis Anfang 2009, Timothy Geithner, dem damaligen Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York. Die anderen Gouverneure und Präsidenten - darunter mehrere Kritiker der Politik Bernankes - hatten nichts zu melden.

          Bernanke erscheint in diesem Buch als ein höchst sachlicher, aber auch farbloser Mann ohne Ecken und Kanten. Als Akademiker weiß er zwar so gut wie alles über die Theorie, aber sowohl die Washingtoner Politik wie die Wall Street bleiben ihm fremd. Kohn, Warsh und Geithner sorgen während der Krise dafür, dass die Fed mit der Politik und den Banken enge Kontakte unterhält.

          Bernanke hatte die expansive Politik Greenspans, die zur Krise beitrug, unterstützt und Versuche der Geldpolitik, Vermögensmärkte steuern zu wollen, als "Gehirnoperation mit dem Vorschlaghammer" bezeichnet. Die im Sommer 2007 ausgebrochene Subprime-Krise betrachtete er anfangs nicht als gefährlich, denn Immobilienkrisen kamen immer wieder vor, und man konnte sie mit traditionellen Mitteln bekämpfen. Erst allmählich erkannte er, dass es zwei miteinander verbundene, aber doch verschiedene Krisen gab: die Immobilienkrise und eine im Buch "Great Panic" genannte Krise, die sich wesentlich mit der Komplexität und inneren Vernetzung des Finanzsystems erklärte.

          Erst diese zweite Krise, die ihren Höhepunkt im Lehman-Kollaps fand, veranlasste Bernanke dazu, Parallelen zu der von ihm ausgiebig erforschten Depression der dreißiger Jahre zu ziehen. Wie Milton Friedman war er der Ansicht, dass damals Geldpolitik nicht genügend expansiv war und man niemals so viele Bankpleiten hätte tolerieren dürfen. Damit war seine Strategie klar: die Geldschleusen öffnen, wichtige Finanzhäuser retten und dabei auch zu unorthodoxen Methoden greifen. Damit gab er der Bush-Administration die Möglichkeit, sich lange herauszuhalten.

          Diese Haltung erklärt, warum die Fed das Finanzsystem mit billigem Geld zuschüttete, Bear Stearns und die AIG rettete. Aber warum ließ man Lehman fallen? Bernanke verweist darauf, dass er Lehman nicht retten durfte, denn der Fed seien von vornherein als verlustträchtig erkennbare Geschäfte verboten. Lehman hätte aber für einen Kredit keinerlei Sicherheiten bieten können.

          Als nach dem Untergang von Lehman eine Panik ausbrach und sogar Geldmarktfonds gefährdet erschienen, hisste Bernanke die weiße Flagge, ging zu Finanzminister Hank Paulson und sagte ihm, nun müsse die Regierung helfen. Die Zusammenarbeit mit der Regierung verlief weitgehend reibungslos.

          Wessel schildert mehr, als er urteilt; er ist weder gefällig noch fundamentalkritisch gegenüber der Fed. Als Zwischenbericht lässt sich sein Werk gut lesen. Für die endgültigen Bücher über die aktuelle Krise und ihre Hauptpersonen ist es aber noch zu früh.

          "Lords of Finance" kommt deutlich schwergewichtiger daher und kann mit seinem Literaturverzeichnis fast schon den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit erheben. Sein Autor, der Ökonom und Fondsmanager Liaquat Ahamed, hat sich als Thema die Vorgeschichte und den Verlauf des Börsenkrachs von 1929 und der anschließenden Wirtschaftskrise gesetzt. Damit behandelt er in etwa den Zeitraum zwischen 1914 und 1936.

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