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Biografie : Die weite Welt des Josef Ackermann

Wie man es von anderen Lebensbeschreibungen erfolgreicher Männer kennt, war Ackermann als Junge sportbegeistert und leistungsorientiert - verlieren konnte er nie. Zusammen mit Belegen hoher Intelligenz und eines Eroberungsdrangs - auf dem Gymnasium verführte er das hübscheste und begehrteste Mädchen - waren die wichtigsten Voraussetzungen für eine brillante Karriere vorhanden. Sie begann nach seiner Doktorarbeit in Sankt Gallen, wo er seine finnische Frau Pirkko kennenlernte, bei der Schweizerischen Kreditanstalt. Aus "Seppi" wurde, bis heute, "Joe".

In Zürich brachte er es innerhalb weniger Jahre zur Nummer zwei der Bank, mußte aber nach einem Machtkampf mit der Nummer eins gehen. Interessant ist, daß Helmut Maucher, als Nestle-Chef einer der mächtigsten Manager Europas, damals einen ziemlich schlechten Eindruck von Ackermann erhielt und dies die Deutsche Bank wissen ließ. Dennoch verpflichtete die Bank Ackermann 1997 als Vorstandsmitglied - mit der klaren Perspektive, auf mittlere Sicht die Führung zu übernehmen.

Hemdsärmelig, brutal

Ackermanns starker Ehrgeiz begünstigte ein hemdsärmeliges Verhalten, das gelegentlich die Bezeichnung brutal verdient. Als die Deutsche Bank Ende der neunziger Jahre das damals einfache Vorstandsmitglied Ackermann mit der Integration der New Yorker Investmentbank Bankers Trust betraute, erteilte der Schweizer einem mißliebigen Frankfurter Bereichsvorstand für Rechnungswesen kurzerhand Hausverbot in New York.

Schon damals ließ sich erahnen, was Ackermann vom ehedem heiligen Kollegialitätsprinzip innerhalb der Führung der Deutschen Bank hielt: überhaupt nichts. So wurde er auf eigenes Drängen im Jahre 2002 Vorstandsvorsitzender, während seine Vorgänger "nur" Vorstandssprecher waren.

Ackermanns Biograph versäumt nicht, die berufliche Leistung seines Helden gebührend herauszustellen. Nach seiner Lesart war es Ackermann, der nach 1997 als einfacher Vorstand das desperate Investmentbanking zur großen Geldmaschine entwickelte. Und natürlich war es auch Ackermann, der seit 2002 als Vorstandsvorsitzender die bis dahin unbefriedigend wirtschaftende Gesamtbank tatkräftig umorganisierte, um durch die weitere Förderung des in London und New York beheimateten Investmentbankings die Ertragskraft der Bank zu sichern - nicht zuletzt mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der Deutschen Bank zu sichern.

Deutlich wird aber auch, wie sehr Ackermann von den Investmentbankern abhängig ist und wie sie ihre Macht nutzen, um ihre Taschen zu füllen und ihre Interessen zu vertreten. Sie waren es, die im Jahre 2000 die geplante Fusion der Deutschen mit der Dresdner Bank sabotierten; zu den eindrücklichsten Stellen des Buches zählt, wie Ackermann dies anstelle seines blaß und schweigend daneben sitzenden Vorstandssprechers Breuer der Führung der Dresdner unmißverständlich mitteilte.

Distanz gegenüber Deutschland

Heute ist Ackermanns Ansehen für die Ergebnisse der Deutschen Bank gewiß; seine Rolle als einer der Totengräber der Deutschland AG (unter anderem durch den Verkauf von Industriebeteiligungen) wird man vielleicht erst später richtig würdigen. Der Schweizer zitiert seinen Vorgänger Breuer: "Die Geschichte wird gnädiger mit uns umgehen, als es unsere Kritiker heute tun."

Eine gewisse Distanz gegenüber Deutschland belegt Ackermanns Verzicht, sich hier Netzwerke aufzubauen. Er reist zwar mit der Kanzlerin und besucht Kongresse, aber letztlich gilt für ihn ein Spruch, der ursprünglich auf Journalisten gemünzt war: Er ist überall dabei, gehört aber nie dazu. Daß ihm als Ausländer viele Türen verschlossen blieben, wie sein Biograph andeutet, kann allein keine Erklärung sein. So fern sind die Schweizer den Deutschen nicht. Vielmehr hat Ackermann, obgleich seit fast zehn Jahren in Deutschland, bis heute nicht akzeptiert, daß der Chef der Deutschen Bank nach dem Verständnis vieler Deutscher mehr als nur ein Banker sein muß.

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