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: Am Mont Pèlerin

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Bernhard Walpen: Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft. Eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society. VSA-Verlag, Hamburg 2004, 493 Seiten, 34,80 Euro.Im April 1947 versammelte sich eine Gruppe hochkarätiger liberaler Intellektueller, darunter Karl Popper, Walter Eucken und Ludwig ...

          Bernhard Walpen: Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft. Eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society. VSA-Verlag, Hamburg 2004, 493 Seiten, 34,80 Euro.

          Im April 1947 versammelte sich eine Gruppe hochkarätiger liberaler Intellektueller, darunter Karl Popper, Walter Eucken und Ludwig von Mises, am Mont Pèlerin in der französischen Schweiz, um auf Einladung des späteren Wirtschaftsnobelpreisträgers Friedrich August von Hayek über die Zukunft der Freiheit zu diskutieren. Die noch frischen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und die zunehmende Bedrohung durch das Sowjetimperium hielten ihnen vor Augen, was Hayek schon 1944 in seinem Buch "The Road to Serfdom" festgestellt hatte: daß die Freiheit von allen Seiten bedroht sei, wenn sie nicht auch ihre intellektuellen Verteidiger finde.

          Zu diesem Zweck gründete man nun die Mont Pèlerin Society (MPS), eine Vereinigung liberaler Denker verschiedener Disziplinen, die lose assoziiert regelmäßig den geistigen Austausch und die Kooperation ermöglichen sollte. Diesen Zweck erfüllt die Mont Pèlerin Society bis heute - und sicher nicht ohne Erfolg. In vielen Ländern der Welt halfen ihre Mitstreiter, die sozialistische Hegemonie im öffentlichen Diskurs einzudämmen.

          Es verwundert, daß es so lange gedauert hat, bis die Mont Pèlerin Society auf der linken Seite des politischen Spektrums als veritabler geistiger Widersacher erkannt wurde. Diesem Mißstand - wenn es denn einer war - wird nun abgeholfen. "Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft" heißt das opulente Werk, in dem sich der Sozialwissenschaftler Bernhard Walpen dieser Brutstätte des "Neoliberalismus" (einfacher Liberalismus tut es heute in bestimmten Kreisen nicht mehr) widmet.

          Die Herausgeber der Reihe "Schriften zur Geschichte und Kritik der politischen Ökonomie", in der das Buch erschienen ist, bedauern schon im Vorwort die "geschwinde Abwicklung" der "politischen Ökonomie in Ostdeutschland" (zu deutsch: des real institutionalisierten Marxismus), die als Gegenmacht zur angeblichen Dominanz des "Neoliberalismus" hätte fungieren können. Das deutet sogleich in die Richtung, die das Buch dann auch nimmt. Einigen Bekenntnissen des Autors, man sei durchaus undogmatisch, folgen Kostproben eines manchmal doch recht dogmatischen Marxismus, der fast schon putzig wirkt. Mit isolierten Einzelfakten zu Mitgliedern der Mont Pèlerin Society (und unter Verschweigung alles Positiven) wird dort selbst die gute alte Faschismustheorie der späten sechziger Jahre wiederbelebt. Kennte man die Mont Pèlerin Society nicht besser, man müßte sie dem Reich der Finsternis zuordnen.

          Die Analyse der Mont Pèlerin Society erfolgt hauptsächlich im Lichte der Theorie der "kulturellen Hegemonie" des italienischen Marxisten Antonio Gramsci. Während der klassische Marxismus, dem auch Gramsci verpflichtet war, durchaus bisweilen als Analyseinstrument brauchbar war, wenn es um den Zusammenhang von wirtschaftlichen Verhältnissen (Unterbau) und Ideologien (Überbau) ging, so bleibt Walpen bisweilen ganz unmarxistisch im Überbau hängen. Der Gedanke, daß beispielsweise die Wirtschaftstheorien eines Milton Friedman oder eines James Buchanan der Lösung echter "unterbaulicher" Probleme (zum Beispiel der keineswegs imaginierten Probleme des Wohlfahrtsstaats) dienen könnten, kommt ihm selten. Sie dienen bei Walpen ausschließlich zur kulturellen Verschleierung von recht vagen Klasseninteressen. Entsprechend unbestimmt bleibt nach dieser Kritik mit wenig Unterbau auch dann die Perspektive, die der Autor den "Neoliberalen" entgegensetzen will.

          Erwachsen ist Walpens Buch unter anderem aus einem von der PDS-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung gesponserten Forschungsprojekt zur Beobachtung neoliberaler Umtriebe. Da scheint die Lust am Observieren der "Staatsfeinde" ansteckend gewesen zu sein. Dies verleiht dem Buch immerhin eine positive Seite: Es ist wohlrecherchiert. An Faktenreichtum bietet es mehr als alle bisherigen Bücher über die Mont Pèlerin Society zusammen - inklusive der 1995 aus einer MPS-Binnenperspektive geschriebenen "History of the Mont Pelerin Society" von Max Hartwell. Immerhin: Wer also vom ideologischen Teil des Buches mit hinreichend kritischer Distanz zu abstrahieren vermag, der verfügt mit diesem Buch in der Tat über eine Fundgrube sondergleichen.

          DETMAR DOERING

          (Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Potsdam)

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