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Wirtschaft in Afrika : Der weiße Fleck auf der Konsumweltkarte

  • -Aktualisiert am

Afrika hat immense Bodenschätze und reichlich Ackerland. Viele der produzierten Güter gehen aber ins Ausland. Bild: AFP

Auch beim diesjährigen „World Economic Forum for Africa“ in Kapstadt hieß es wieder, dass die Wirtschaft Afrikas boome. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Kontinent ist gerade dabei, seine erreichten Fortschritte wieder zu verspielen.

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          Es gleicht einem Ritual: Alle Jahre wieder trifft sich die internationale Geschäftswelt in Kapstadt zum „World Economic Forum for Africa“, und alle Jahre wieder heißt es: Afrika bietet enorme Chancen, Afrika ist wirtschaftlich auf dem Vormarsch, Afrika ist der letzte weiße Fleck auf der Weltkarte des Konsums. Das hatte in der Vergangenheit häufig etwas von sich gegenseitig Mut machen, doch in diesem Jahr sehen die Zahlen durchaus beeindruckend aus.

          Allein für das laufende Jahr wird das Wirtschaftswachstum südlich der Sahara auf mehr als fünf Prozent geschätzt, Tendenz steigend. Südamerika wird im selben Zeitraum auf bestenfalls vier Prozent Wachstum kommen. Sieben der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt liegen südlich der Sahara. Afrika, heißt es, sei auf dem besten Weg, sich von einem Empfänger von Entwicklungshilfe zu einer Destination für Direktinvestitionen zu entwickeln.

          Bei einem Treffen des Weltwirtschaftsforums bescheinigt dessen Präsident Klaus Schwab  Südafrikas  Präsident Jacob Zuma wieder einmal beste Aussichten für das afrikanische  Wirtschaftswachstum.

          Das kleine Ruanda hat vor drei Wochen die erste Staatsanleihe in seiner Geschichte in Höhe von 400 Millionen Dollar ausgegeben, um sich aus der Abhängigkeit von der Entwicklungshilfe zu lösen. Und die Weltbank veröffentlichte gar Zahlen, wonach nahezu die Hälfte der afrikanischen Länder in die Kategorie „Middle Income countries“ fällt. Für diese Kategorisierung muss das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen mindestens 1085 Dollar im Jahr betragen.

          Produktionssteigerung nur für den Export

          Nun sind solche Zahlen immer mit Vorsicht zu genießen, weil sie auf einem Landesdurchschnitt beruhen, der das große Gefälle zwischen den Handelszentren und dem Hinterland außer Acht lässt. Wer viel in Afrika unterwegs ist und sich abseits der großen Städte und ihrer Fünf-Sterne-Hotels umschaut, reibt sich angesichts solcher Aussagen verwundert die Augen. Wo sind die Mitteleinkommen? Was hat sich in Städten wie Eldoret in Kenia oder Bunia in Kongo in den letzten zehn Jahren eigentlich verändert, außer dass die Bevölkerungszahl explodiert ist? Auf den ersten Blick nicht viel.

          Nestlé veranstaltet ein Treffen mit Kakao-Bauern der Kooperative „Kavokiva“.

          Die Unternehmensberater von McKinsey schätzen das Bruttosozialprodukt im Großraum Johannesburg in Südafrika auf 50 Milliarden Dollar im Jahr und damit gleichauf mit München. Aber Johannesburg ist eine Wohlstandsinsel, wie Kinshasa in Kongo eine ist und Luanda in Angola. Auf dem Land hingegen herrscht weiterhin Subsistenzwirtschaft.

          Wenn Afrikas Wirtschaft dennoch um fünf Prozent im Jahr wächst, hat das mit den Preisen für Rohstoffe zu tun und nicht mit den Preisen für die üblichen Verdächtigen wie Gold, Diamanten, Kupfer und Uran. Landwirtschaftliche Produkte haben im vergangenen Jahr einen signifikanten Preissprung erzielen können - allerdings nicht wegen gestiegener Produktion, sondern wegen weltweit gestiegener Nachfrage. Tatsächlich produziert das so ungemein fruchtbare Afrika nicht genug Lebensmittel, um die eigene Bevölkerung zu ernähren. Und dort, wo die landwirtschaftliche Produktion wirklich gesteigert werden konnte, nämlich in den Agrarfabriken von chinesischen, südkoreanischen und indischen Konzernen in Äthiopien etwa, wird nicht für den lokalen Markt produziert, sondern ausschließlich für den Export nach Asien.

          Zurück zum Kerzenlicht

          Richtig ist allerdings, dass die Bedeutung der Rohstoffe angesichts des schnell wachsenden Bankensektors, der Telekommunikation und nicht zuletzt des Einzelhandels abnimmt. Richtig ist ebenfalls, dass überall in Afrika eine neue Mittelklasse entsteht, die auf lange Sicht hoffentlich auch politisch bedeutsam wird. Dennoch sitzt Afrika auf einer Zeitbombe, und die heißt Arbeitslosigkeit. Selbst ein relativ gut entwickeltes Land wie Südafrika ist nicht in der Lage, sein Wachstum in eine nennenswert große Zahl neuer Jobs zu verwandeln. Die Schere zwischen denen, die haben, und denen, die nichts haben, tut sich immer weiter auf, und was das für den sozialen Frieden bedeutet, hat man ebenfalls in Südafrika bei den blutig verlaufenen Bergarbeiterstreiks gesehen.

          Der ehemalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki warnte vor kurzem, dass Afrika dabei sei, die unbestreitbaren Fortschritte der letzten Jahre zu verspielen. Das war in erster Linie auf Nord- und Südsudan gemünzt, die sich einen unerklärten Krieg liefern, in dem Mbeki zu vermitteln versucht. Das ließe sich aber auch auf andere Länder übertragen: Mali wurde von Islamisten überrannt und brauchte französische Militärhilfe, um die Bärtigen wieder loszuwerden. Im Norden Nigerias verbreitet die radikalislamische Sekte Boko Haram Angst und Schrecken.

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