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Wirecard-Betrug : Lügen, bis die Balken brechen

Ist uns dieser Kerl sympathisch? Leonardo di Caprio als Hochstapler in „Catch me if you can“, 2002. Bild: Moviestore Collection/face to fa

Warum Felix Krull nie einen Job bei Wirecard angenommen hätte: Über den Unterschied zwischen Hochstaplern und Betrügern.

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          Während man staunend verfolgt, wie bei dem einst funkelnden Dax-Stern Wirecard eine betrügerische Machenschaft nach der nächsten ans Licht kommt, stößt man immer wieder auf einen Begriff: Hochstapler. Doch handelt es sich bei den aufgeflogenen Wirtschaftskriminellen aus Aschheim mit ihrem offenbar schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum tatsächlich um Hochstapler? Haben wir es hier nicht vielmehr „nur“ mit geldgierigen Großbetrügern zu tun, die im Gegensatz zum Hochstapler eben gerade nicht leichtfüßig soziale Klassen überspringen und in eine komplett neue Rolle schlüpfen mussten?

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Hochstapler oder Betrüger – das ist ein bedeutender Unterschied, denn die Kategorie, in die der Täter fällt, entscheidet darüber, ob wir mit ihm trotz (beziehungsweise wegen) seiner Taten sympathisieren, ihn gar heimlich für seine Kunst der Täuschung bewundern und ein bisschen schadenfroh auf die Geschädigten blicken, oder ob wir ihn verachten.
          Die Grenze zwischen Hochstapler und Betrüger verschwimmt natürlich, denn ohne hochstaplerische Fähigkeiten kommt auch der Betrüger nicht weit. Ein in verschiedenen Definitionen genannter Anhaltspunkt ist die Rolle des Geldes. Je stärker die finanzielle Bereicherung im Vordergrund steht, desto mehr tritt das Hochstaplerische in den Hintergrund.

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