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Oprah Winfrey : Amerikas nächste Erlöserin

Glaubt an die Kraft des Kosmos: Oprah Winfrey. Bild: AP

Yes, she can: Oprah Winfrey wird als zukünftige Präsidentin gehandelt. Populärer als Donald Trump ist sie schon jetzt – und das richtige Sendungsbewusstsein als Heilsfigur hat sie auch.

          Am Ende verkündet sie ihrer zu stehenden Ovationen hingerissenen Gemeinde, dass bald ein neuer Tag anbrechen werde, und es klingt wie die Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Denn wenn dieser Tag endlich heraufziehe, in dessen erstes Morgenrot uns „eine Menge großartiger Frauen“ und nur „einige ziemlich phänomenale Männer“ geführt hätten, dann müsse nie wieder jemand bekennen: „Me too“.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Welch ein Kulminationspunkt einer Golden-Globe-Rede, mit der die amerikanische Talkshow-Legende Oprah Winfrey, die erste schwarze Multi-Millardärin des Landes, Film- und Fernsehproduzentin, Sender-Besitzerin, Schauspielerin, Verlegerin mit eigenem Personality-Magazin, Autorin, Schulstifterin, Franchise-Unternehmerin und selbsternannte Philanthropin mit spiritueller Mission sich vordergründig dafür bedankte, dass sie – wieder einmal als erste Schwarze – die Auszeichnung für ihr Lebenswerk entgegennehmen durfte. Tatsächlich brachte Winfrey sich als potentielle Bewerberin für den kommenden Wahlkampf um das amerikanische Präsidentenamt ins Spiel. Und das, obwohl die Dreiundsechzigjährige, die Hillary Clinton und Barack Obama unterstützt hatte, noch wenige Wochen zuvor ihrer besten Freundin Gayle King in der von dieser moderierten CBS-Show „This Morning“ sagte: Nein, sie strebe kein politisches Amt an. Winfrey spricht auch jetzt nicht von einer Kandidatur.

          Das große „We shall overcome“-Projekt

          Ihre Rede bei den Golden Globes wurde als das Gegenteil verstanden. Kein einziges Mal fiel der Name Harvey Weinstein, stattdessen schloss Winfrey auf geschickte Weise die vom Skandal um den Hollywoodproduzenten losgetretene „Me too“-Kampagne, die sich gegen sexuelle Übergriffe vor allem mächtiger Männer auf weniger mächtige Frauen wendet, mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung kurz. Sich selbst zeichnete Winfrey als Freundin der freien Presse, als Verfechterin der „absoluten Wahrheit“ und als lebenslange Advokatin eines gleichermaßen feministischen wie anti-rassistischen „We shall overcome“-Projekts, dessen Zeit nun gekommen sei.

          Nie wieder „Me too“: Oprah Winfrey, Beichtmutter der Nation, wünschen sich viele Amerikaner als nächste Präsidentin.

          Dass ausgerechnet Oprah Winfrey, die „Beichtmutter der Nation“, in deren Talkshows jahrzehntelang Prominente zu teils tränenreichem Seelenstriptease erschienen, nichts von den Übergriffen im Showbusiness gewusst haben will, kann einen nur verblüffen. Doch solche Gedanken ließ sie nicht aufkommen: „Time’s Up“, sagt sie immer wieder und spannt den Bogen von ihrer frühen Kindheit in ärmlichen Verhältnissen im noch rassengetrennten Mississippi bis in die Gegenwart. Damit könnte sie den hashtagtauglichen Slogan für ihre mögliche Kampagne gefunden haben – das Gegenprogramm zu „Fire and Fury“ gewissermaßen. 48 Prozent der wahlberechtigten Amerikaner, so ermittelte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports, würden jetzt für Oprah Winfrey stimmen. Nur 38 Prozent für Donald Trump.

          Sie verwirklichte den amerikanischen Traum

          Nach einem Jahr mit Trump scheint Amerika reif für eine Erlöserin. Winfrey ist in fast allem das Gegenteil des amtierenden Präsidenten, der für seine Gegner den Archetypus des zu überwindenden, alten weißen Mannes darstellt, einen Atavismus der Geschichte. Sie ist eine Frau, sie ist schwarz, wurde als uneheliche Tochter einer minderjährigen Putzfrau geboren und als Kind missbraucht. Als Jugendliche brachte sie ein Kind zur Welt, das kurz nach der Geburt starb.

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