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Wirbel im Hause Uderzo : Streit um Asterix

Szene aus dem FIlm „Asterix und die Briten“ Bild: picture alliance / United Archiv

Wie sehr sich Fiktion und Realität manches Mal gleichen, zeigt derzeit der Streit zwischen Asterix-Erfinder Albert Uderzo und seiner Tochter. Aber im Gegensatz zu den rauflustigen Galliern zieht der Zeichner vor Gericht.

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          Alle Abenteuer von Asterix, dem tapferen Gallier, enden in Wohlgefallen an einer großen Tafel mit Wildschweinbraten. Doch meist gibt es kurz zuvor noch einmal eine zünftige Rauferei, und die muss sich nicht zwingend zwischen den Galliern und ihren römischen Erzfeinden abspielen; auch Dorfstreitigkeiten bieten Anlass zu handfestem Kampf, zu Bruder- oder neuerdings (man ist emanzipiert im antiken Armorica) bisweilen Schwesterkrieg.

          So auch im Jahr 1973, als „Streit um Asterix“ erschien, das fünfzehnte Album der Serie. Da verpasst nach einer Keilerei unter ihren Frauen der betagte Methusalix dem kräftigen Schmied Automatix eins mit der Keule, worauf dieser im Gegenzug nicht dem Greis, sondern dem unschuldig herbeischlendernden Barden Troubadix einen Fausthieb zukommen lässt – mit der Begründung: „Ich kann doch nicht dieses alte Wrack schlagen!“ Was den unfreiwillig Geschonten vor Zorn beben macht: „Ich hab das Recht, dass man mich schlägt!“

          Streitbar: Im Clinch mit seiner Tochter zeigt sich Asterix-Erfinder Albert Uderzo nicht so einvernehmlich wie hier mit den beiden neuen Asterix-Autoren Didier Conrad (links) und Jean-Yves Ferri (rechts).
          Streitbar: Im Clinch mit seiner Tochter zeigt sich Asterix-Erfinder Albert Uderzo nicht so einvernehmlich wie hier mit den beiden neuen Asterix-Autoren Didier Conrad (links) und Jean-Yves Ferri (rechts). : Bild: AFP

          Albert Uderzo, der langjährige Zeichner und Miterfinder von „Asterix“, ist heute mit sechsundachtzig Jahren in der Altersklasse von Methusalix, doch seine Freude über Angriffe hält sich in Grenzen. Im Gegenteil: Er sucht das Recht, wenn man ihn schlägt. Vorgestern hat er in Paris Klage eingereicht wegen „psychischer Gewalt“, die gegen ihn ausgeübt werde. Übeltäter sind nicht all jene Leser, die sich seit dem Tod des Texters René Goscinny im Jahr 1977 bitter darüber beklagt haben, dass Uderzo das gemeinsame Asterix-Erbe zugrunde richte. Diese Stimmen sind verstummt, seit der Patriarch für das jüngst erschienene neue Album „Asterix bei den Pikten“ jüngere Kräfte ans Werk ließ.

          Nein, der Zeichner verklagt seine einzige Tochter und den Schwiegersohn. Dass man in der Familie Uderzo wie Gallier und Römer zueinander steht, war bekannt, seit Sylvie Uderzo 2007 den Chefsessel im Verlagshaus Les Editions Albert René, das Asterix herausbrachte, hatte räumen müssen. Im Gegenzug verweigerte sie ihre Anteile, als Albert Uderzo wenig später die Asterix-Rechte an den französischen Buchkonzern Hachette verkaufte, und sie erhob 2011 in dieser Sache Klage gegen unbekannt wegen „Ausnutzung der Schwäche“ ihres Vaters – sie wollte wohl nicht das angebliche Wrack selbst vor Gericht zerren. Doch der noch überaus agile Uderzo erweist sich nun als ebenso sensibel wie Methusalix, wenn auch nicht so hart im Nehmen.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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