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Zum Achtzigsten des Mondbegehers : Wir müssen mit Neil Armstrong reden

  • -Aktualisiert am

Neil Armstrong zurück in der Mondlandefähre nach seinem historischen Mondspaziergang Bild: dpa

Wie knackt man den Mann, der als erster Mensch auf dem Mond war und seither über seine Pioniertat schweigt? Er tut fast so, als wäre er nie dort gewesen. Eine Begegnung mit Neil Armstrong, der heute achtzig Jahre alt wird.

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          Nein, ich habe Neil Armstrong nicht gebeten, seinen berühmtesten Satz noch einmal vor laufender Kamera zu wiederholen, obwohl einige das anregten. „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschheit.“ Aber Armstrong sieht sich diesen Satz sagen, als der Zusammenschnitt der wichtigsten Etappen der Mondlandung läuft, und man kann seinen Gesichtsausdruck studieren. „Das ist eine sehr sehr große Rakete“, sagt er, als die Saturn zu sehen ist. „Das ist ein sehr sehr kleines Raumschiff“, sagt er, als die Mondlandefähre zu sehen ist. Und da, wo ein Astronaut aus der Fähre steigt und den Mond betritt, sagt er nicht: „Das bin ich“, und auch nicht, was nahegelegen hätte, dass das ein sehr kleiner Mensch auf einem sehr großen Mond sei. Er schaut seltsam alarmiert. Später wird er sagen, er habe befürchtet, zum tausendsten Mal erklären zu müssen, wie er auf die Worte kam. Er sagt das mit der Erschöpfung eines Schlagerstars, den das Publikum seit Generationen immer wieder zwingt, seinen einen großen Ohrwurm zu singen.

          Armstrong, so hat Norman Mailer nach der Mondlandung geschrieben, gehöre künftig zu jener winzigen Gruppe von Menschen, „die für alle Zeiten immer wieder zitiert werden“. Er hat nicht ahnen können, welche Konsequenz Armstrong daraus ziehen würde. Zum Schrecken der Nasa, die die Werbetrommel rühren wollte, begann er praktisch unmittelbar nach der Rückkehr zur Erde zu verstummen.

          Keiner war einsilbiger als er, keiner in seiner unpoetischen Lakonik ein größerer Schrecken für die Journalisten. Der „Eremit von Cincinnati“, wie ihn die amerikanische Presse nannte, war nicht einmal beim Start der letzten Apollo-Rakete zu einem Statement bereit und hat niemals ein Fernsehstudio betreten. Selbst in David Singtons 2007 produziertem, preisgekröntem Film „Im Schatten des Mondes“ taucht Armstrong nicht auf.

          Treffen der Legenden: Neil Armstrong und Alexei Leonow (l.) zu Gast bei Frank Schirrmacher in „Talk im Hangar 7”
          Treffen der Legenden: Neil Armstrong und Alexei Leonow (l.) zu Gast bei Frank Schirrmacher in „Talk im Hangar 7” : Bild: Andreas Kolarik

          Und als er damit fertig war, betrat er den Mond

          „Herr Armstrong redet nicht mit Reportern.“ Der vorbereitete Absagebrief seiner Sekretärin wurde legendär. Herr Armstrong gab auch keine Unterschriften, weil sie für viel Geld verkauft wurden (zum letzten Mal vor einem Monat von einem Zollbeamten, der Armstrongs Zollerklärung im Internet verkaufen wollte), und er wechselte den Friseur, nachdem er herausgefunden hatte, dass sein Haar verhökert werden sollte. Gewiss, manchmal hielt er Vorträge. Zu dem wenigen, das man von ihnen gehört hat, zählt, dass sich sein exklusives Publikum beschwerte, weil er über das gesamte Apollo-Programm redete, aber mit keinem Wort seine Zeit auf dem Mond erwähnte.

          „Vielleicht schweigt er seit vierzig Jahren, weil er in Wahrheit gar nicht auf dem Mond war?“ Armstrong weiß noch nicht, dass es dieser Satz war, der ihn zum ersten Mal in ein Fernsehstudio brachte. Er stammt von einem Redakteur von „Servus-TV“ und fiel in der Redaktionssitzung, als es um die Vorbereitungen zum achtzigsten Geburtstag von Neil Armstrong ging. Servus TV hat leider keinen besonders attraktiven Namen, aber ein gutes Programm. Der Sender gehört zu Red Bull, und Red Bull gehört Dietrich Mateschitz, und offenbar verströmt der mindestens ebenso scheue und stumme Mateschitz unter seinen Leuten das Gefühl, dass man mehr erreichen kann, als man denkt. Jedenfalls sagte Wolfgang Pütz, der Chef des Senders: „Dann müssen wir mit Armstrong reden.“

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