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Wir müssen draußen bleiben : Die Angsthasen von der AfD

Die Partei der „German Angst“ trommelt sich gerne auf die Brust, aber wehe, jemand lässt mal ein kritisches Wort fallen. Bild: dpa

Es sind immer nur die anderen, die lügen und zensieren: Die AfD nimmt sich ein Beispiel an der Methode Trump und lässt nur handverlesene Berichterstatter zur ENF-Tagung zu. Ein Kommentar.

          Die AfD ist die Partei gewordene „German Angst“. Sie versteht sich bestens aufs Angstmachen, ist aber auch ein Habitat von Angsthasen. Sie trommelt sich wie wild auf die Brust, lebt aber selbst im permanenten Panik-Modus und nimmt Reißaus, sobald jemand eine kritische Bemerkung riskiert. Eine Partei voller Erdmännchen. Sie tönt auf allen Kanälen, möchte dabei ungestört sein, nicht auf Widersprüche gestoßen werden und schon gar keine Widerworte hören, vor allem nicht von und in der Presse, die in AfD-Kreisen gerne mit dem Zusatz „Lügen“ versehen wird.

          AfDler drängen ins Fernsehen, vor allem in Talkshows, legen allergrößten Wert darauf, in Wahlkampf-Hearings aufzutauchen, und gefallen sich in der Rolle der Lautsprecher des Volkes, dessen Stimme ohne sie nicht gehört werde. Umgekehrt wird für die AfD aber kein Schuh draus: Wer es genau wissen, wer die Damen und Herren bei Wort und Tat nehmen will, der fliegt raus. So geht es jetzt dem Berichterstatter dieser Zeitung, einer Kollegin vom „Spiegel“, dem „Handelsblatt“ und ARD und ZDF.

          Münchhausen-Wiedergänger mit Heidenangst

          Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell verwehrt einzelnen Journalisten gezielt den Zugang zu einer von ihm organisierten Tagung der ENF-Fraktion, zu der sich Abgeordnete verschiedener Rechtsparteien im Europäischen Parlament zusammengeschlossen haben. Bei dem fraglichen Treffen am 21. Januar in Koblenz sollen die AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die Front-National-Chefin Marine Le Pen und der Vorsitzende der niederländischen Freiheitspartei, Geert Wilders, sprechen. Das journalistische Publikum wird von Pretzell (bis auf eine Pressekonferenz, zu der alle dürfen) nach der Methode Trump handverlesen. Der angehende amerikanische Präsident würgte in einer Pressekonferenz einen CNN-Journalisten bekanntlich mit der Beleidigung ab: „Not you! You are Fake News.“ Und „Fake News“ will auch der AfD-Mann Pretzell, wie er sagt, „nicht bedienen“.

          Dagegen könnte man sich, wie die ARD, rechtliche Schritte überlegen oder sich auch geehrt fühlen. Denn wer von Münchhausen-Wiedergängern wie Trump oder Pretzell mit „Fake News“ betitelt wird, hat ja vielleicht alles richtig gemacht. Muss man sich nicht vielmehr, wird man von den Pretzells dieser Welt nicht ausgeladen, als Berichterstatter Gedanken machen? Um Pressezensur erster Ordnung handelt es sich selbstverständlich, aber mit der Pressefreiheit hat es die AfD, die sonst den Medien gern „Zensur“ vorwirft, eben nicht so. Jetzt wissen wir, wofür das „F“ im Parteikürzel „ENF“ („Europa der Nationen und der Freiheit“) nicht steht: für die Freiheit der Meinungsbildung und der Presse. Vor der hat ein AfDler wie Marcus Pretzell augenscheinlich eine Heidenangst.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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