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: Wir in ihren Augen

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Wie viele seiner Kollegen sieht sich Bryan Singer, der zuletzt "Superman Returns" gedreht hat, seine Filme im Kino nicht mehr an. Tom Cruise geht manchmal unbeobachtet in Filmvorführungen. Man kennt jede Szene, jede Einstellung, jedes Wort, sagt Singer, wieder und wieder.

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          Wie viele seiner Kollegen sieht sich Bryan Singer, der zuletzt "Superman Returns" gedreht hat, seine Filme im Kino nicht mehr an. Tom Cruise geht manchmal unbeobachtet in Filmvorführungen. Man kennt jede Szene, jede Einstellung, jedes Wort, sagt Singer, wieder und wieder. Man gibt sich solche Mühe mit Ton und Bild; und dann ist es im Kino total übersteuert, und die Leinwand vergilbt, sagt Tom Cruise.

          Die Deutschen haben ihren eigenen Film. Wieder und wieder: das Dritte Reich, der Untergang, der 20. Juli. Die Deutschen haben Hitler und sein Reich als Kino im Kopf. Sie kennen jede Einstellung, jedes Wort, jede Szene. Weil das Dritte Reich sich selbst als Film begriff, läuft es ab wie in einer Endlosschleife. Ungezählte Filme, Dokumentationen und all die Wissenschaftler, aber es scheint immer wieder von vorne zu beginnen. Man gibt sich solche Mühe, und dann ist die Leinwand vergilbt. Drei immer noch relativ junge Männer namens Bryan Singer, Jahrgang 1965, Tom Cruise, Jahrgang 1962, Christopher McQuarrie, Jahrgang 1968, die sich in diesem Augenblick in Babelsberg befinden - dort, wo Goebbels das Dritte Reich in unseren Köpfen erfand -, waren in diesem System nicht vorgesehen. Jetzt verändern sie das System.

          Zwei Finger an Tom Cruise' linker Hand sind von einer schwarzen, gummiartigen Substanz überzogen. Wenn er beim Essen gestikuliert, wirken sie wie ein geheimer Code für geheime Eingeweihte. Allerdings kein Code für den Verfassungsschutz. Es sind die Markierungen, an denen der Regisseur später die Finger abschneiden wird. Stauffenberg fehlten zwei Finger der linken Hand. Im Film werden sie Tom Cruise durch Bildbearbeitung amputiert.

          Original und Fälschung: Finden Sie die Fehler, die sich im rechten Bild versteckt haben. Jeder kennt diese Bilderrätsel. So ungeheuer ähnlich ist der amerikanische Schauspieler Tom Cruise dem historischen Bildnis Stauffenbergs, dass es einzig diese schwarze Markierungen sind, die sein Äußeres vom Original unterscheiden. Wir sind mit der Ikone Stauffenberg groß geworden. In fast jedem Geschichtsbuch gab es immer wieder die zwei gleichen Fotos: Stauffenberg im Profil und das berühmte Foto vom 15. Juli 1944, das einzige, das Stauffenberg und Hitler zusammen zeigt. "Schauen Sie sich an, wie er dasteht", sagt Tom Cruise, als läge das Foto vor uns auf dem Tisch, "Stauffenberg steht extrem aufrecht, leicht nach rechts gewendet, aber wirklich auffällig aufrecht. Und er trägt die Aktentasche, in der fünf Tage später die Bombe hochgeht." Wer ihn am Set beobachtet, kann keinen Zweifel haben, dass Tom Cruise dieses Foto bis in alle Details der Körpersprache studiert hat. Er ist für ein paar unwirkliche Momente Stauffenberg, aber er ist auch Tom Cruise. Auch Cruise ist eine Ikone und ohne Zweifel einer der berühmtesten Menschen der Gegenwart. Wenn Ruhm, diese einst militärisch-ästhetische Kategorie, eine aktuelle Entsprechung hat, dann in ihm. Und es streift einen eine Ahnung von der möglichen Wirkung dieses Films, wenn einem diese Ikone der Gegenwart nicht nur in der Uniform eines deutschen Wehrmachtsoffiziers, sondern auch noch mit der Maske Stauffenbergs begegnet, um, während eines langen Nachmittags, über Hitler und Roosevelt, über Albert Speer und Major Remer und die stillstehende Zeit zwischen 1945 und 1989 zu sprechen.

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