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Windows 8 : Die Kapitulation des buchhalterischen Blicks

  • -Aktualisiert am

Mit Sekretärstugenden ist den Texten, Tönen und Bildern, die durch die digitale Welt schwirren, nicht mehr beizukommen. Mit der neuen Kachel-Optik nimmt Windows Abschied von der geordneten Welt.

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          Kacheln, soso. Das ist natürlich auch ein Zeichen dafür, dass man langsam alt wird: dass man die Dinge dann nicht mehr versteht, wenn sie einfacher werden. Mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 entsorgt Microsoft jetzt also die Metapher vom Desktop. Es wird auch höchste Zeit. Den Texten, Tönen, Bildern, die mittlerweile digital durch die Welt schwirren, kam man mit den Tugenden eines Sekretärs schon lange nicht mehr bei, auch nicht metaphorisch.

          Wo es einmal Dateien und Dokumente gab, gibt es jetzt Wolken und Ströme; der Versuch, sie in Ordnern abzulegen, fühlt sich da ziemlich schildbürgerhaft an. Und gestimmt hat die Analogie sowieso nie - wer hat schon seinen Papierkorb auf dem Schreibtisch stehen? Beim neuen Kachel-Windows herrscht nun das gepflegte Chaos eines großen Nebeneinanders. Es ist die Kapitulation des buchhalterischen Blicks auf eine Welt, die sich nur noch in Momentaufnahmen ihrer Aggregatszustände abbilden lässt.

          All jenen Benutzern aber, die die sogenannte alte Oberfläche nicht nur für übersichtlich hielten, sondern gewissermaßen auch für repräsentativ; allen, die glaubten, dass sich nicht nur ihre persönlichen Daten hierarchisch ordnen und verwalten ließen, sondern auch die Welt (und dass das Scheitern dieses Bemühens nur an der eigenen Inkompetenz liegt), zieht das neue Paradigma den Boden unter den Füßen weg. Aufgeräumt jedenfalls kann so ein gekachelter Computer nicht mehr sein. Nur noch leer.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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