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Willy Sagnol : Fehlschuss

  • -Aktualisiert am

Die Franzosen erfanden für diesen Fußballer die Bezeichnung „Flankengott“. Jetzt macht der ehemalige Nationalspieler Willy Sagnol durch rassistische Äußerungen von sich reden.

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          Für den Faschismus und Rassismus von Fußballfans gibt es viele Beispiele. Sie gehören leider zu dieser Sportart wie die Korruption zur Fifa. Umso bedauerlicher ist es, dass auch Spieler ähnliches Gedankengut pflegen. Das neuste Beispiel dafür sind Äußerungen von Willy Sagnol. Zu Beginn des Jahrtausends spielte der Franzose bei Bayern München, 2006 stand er mit der französischen Nationalmannschaft im verlorenen Berliner Weltmeisterschaftsendspiel gegen Italien.

          Sagnols Spielweise hat bewirkt, dass in Frankreich nicht nur negativ besetzte deutsche Begriffe wie etwa „Blitzkrieg“ oder „le Führer“ Einzug ins Alltagsvokabular gehalten haben, sondern auch der „Flankengott“. Unter dieser Bezeichnung nämlich wird Sagnol auch in Frankreich gefeiert. Inzwischen ist er Trainer von Girondins Bordeaux, hat aber offensichtlich außer Fußball nichts gelernt.

          Der Rassismus vieler Fans

          „Die afrikanischen Spieler sind billig und kampfbereit“, hat er jetzt erklärt und diese Kampfbereitschaft mit den körperlichen Merkmalen schwarzer Fußballer begründet. Noch schlimmer machte er seine Bemerkung mit dem Zusatz, dass Fußball jedoch noch weitere Eigenschaften voraussetze: Technik, Disziplin, Intelligenz – als deren Garanten Sagnol offenbar die nicht schwarzen Spieler sieht.

          Es gibt auch in den französischen Stadien zu viele rassistische Beschimpfungen, Affengeheul und Bananen gegen farbige Athleten, um solche Äußerungen zu verzeihen. Ob die Identifikation gewaltbereiter Hooligans mit ihren Vereinen, die sie als völkerverbindendes Ritual zelebrieren, dem Wesen des Fußballs zuträglich ist, sei dahingestellt. Der Faschismus vieler Fans ist jedenfalls eine Tatsache.

          Die verklärte Truppe der „Black-Blanc-Beur“

          Und unverantwortlich die chauvinistische, frauen- und fremdenfeindliche Rhetorik vieler französischer Fernsehfußballkommentatoren, von der man sich in Deutschland kaum eine Vorstellung macht. Sagnol kam zwar erst kurz nach dem Gewinn der Welt- und Europameisterschaft 1998 und 2000 in die französische Nationalmannschaft, doch er dürfte noch mitbekommen haben, wie diese Triumphe einer multikulturellen Nationalmannschaft, in der Schwarze, Weiße, Araber und der Kanake Karembeu zusammenspielten, zum Sieg einer antifaschistischen Stoßtruppe „Black-Blanc-Beur“ über den Rassismus verklärt wurden.

          Man wollte fortan mit dem Fußball den Chef des Front National, Jean-Marie Le Pen, besiegen und die Ausländer integrieren. Das alles ging ziemlich schief, politisch und sportlich. Im Nachhinein muss man feststellen, dass diese ideologische Aufladung des Fußballs offenbar nicht einmal der Zivilisierung seiner Stars und Spitzenbeamten förderlich war. Willy Sagnols dumme Äußerungen, von denen sich der französische Verband partout nicht distanzieren will, zeugen zumindest von unbedarftem Umgang mit rassistischen Klischees. Sie sind dazu angetan, ein genauso hartnäckiges Vorurteil zu bekräftigen: Auch weiße Fußballer sind nicht sehr helle.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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