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Datenspionage : Google hat Wikileaks geleakt

Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson zeigt das Dokument, das Google zur Datenherausgabe aufforderte. Bild: Reuters

Drei Wikileaks-Aktivisten erfahren, dass Google ihre Daten 2012 an amerikanische Behörden weitergeben hat. Wieso? Und warum gibt es die Information erst jetzt?

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          Es dürfte die ärgerlichste Weihnachtspost für Sarah Harrison, Kristinn Hrafnsson und Joseph Farrell gewesen sein: Am 23. Dezember 2014 bekamen die drei Wikileaks-Aktivisten einen Brief von Google mit dem Inhalt, dass ihre gesamten Daten von Googles Servern - wie etwa E-Mails - an amerikanische Strafverfolgungsbehörden weitergegeben wurden. Und zwar schon im März 2012. Damals ermittelte ein Bundesgericht des Staates Virginia gegen Wikileaks und forderte von Google unter Verweis auf fünf Anklagepunkte die Herausgabe der Daten über die Wikileaks-Mitglieder. Ihnen wurde Spionage und Verschwörung vorgeworfen, addiert stehen darauf bis zu 45 Jahre Gefängnis.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Google kam diesem Wunsch der Behörden offenbar nach, wie aus einem Brief an Joseph Farrell hervorgeht, den Wikileaks am Montag veröffentlicht hat. Ob sich das Unternehmen dagegen wehrte, ist nicht bekannt, Google gibt lediglich an, dass es von den amerikanischen Behörden angewiesen worden war, Wikileaks vorerst nicht darüber zu informieren. Der Presse gegenüber äußert sich Google zu dem Fall nicht. Man kommentiere keine Einzelfälle, heißt es.

          Warum akzeptierte Google den Maulkorb?

          Doch auch Wikileaks hat noch keine Antworten von Google bekommen, wie der Wikileaks-Anwalt Michael Ratner gegenüber FAZ.NET sagte. „Wir fragen uns, ob Google wenigstens versucht hat, den Maulkorb der US-Behörden abzulegen“, sagte Ratner. In einem früheren Fall sollte der Kurznachrichtendienst Twitter Informationen über Wikileaks-Mitglieder herausgeben, Twitter setzte vor Gericht durch, dass sie die Aktivisten darüber informieren durften. Google hat damit nun mehr als zweieinhalb Jahre gewartet. In einem Brief an den Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt fordert Wikileaks-Anwalt Ratner Aufklärung. Dass Google so lange gewartet habe, würde die Wikileaks-Aktivisten „erstaunen und verwundern“. „Wenn unsere Klienten von den Spionage-Vorwürfen gewusst hätten, hätten wir vor Gericht versuchen können, die Ermittlungen zu verhindern, so hatten wir keine Ahnung“, sagte Ratner im Gespräch mit FAZ.NET.

          Dass Google Wikileaks nun informiert hat, spricht dafür, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, bestätigt ist das jedoch noch nicht. Kristin Hrafnsson, der auch Sprecher von Wikileaks ist, geht davon aus, dass Google bis zu 43000 private E-Mails weitergegeben hat, darunter auch solche, die er selbst gelöscht habe. Das sagte Hrafnsson auf einer Pressekonferenz am Montag. Hinzu kämen Metadaten wie IP-Adressen und Standorte, Daten von Onlineaktivitäten und sogar Bankverbindungen. Er habe Google schon vor seiner Zeit bei Wikileaks für privaten E-Mail-Verkehr benutzt, gab Hrafnsson an.

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