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„Wikileaks“-Enthüllungen : Eine vorläufige Chronik

  • Aktualisiert am

Julian Assange während einer Pressekonferenz im August 2014 mit dem ecuadorianischen Außenminister Ricardo Platino. Bild: AP

„Wikileaks“ sorgt seit Jahren mit seinen Enthüllungen für Aufsehen. Besonders den Vereinigten Staaten macht die Plattform zu schaffen. Ein Rückblick auf die drei größten Enthüllungsaktionen.

          Mit dem selbst auferlegten Ziel „wichtige Nachrichten und Informationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sorgt die Enthüllungsplattform Wikileaks seit Jahren für Aufsehen. Ihre größten Erfolge feierten die Internet-Aktivisten mit der Veröffentlichung geheimer Dokumente des amerikanischen Militärs und der amerikanischen Regierung.

          1. Collateral Murder

          Im April 2010 sorgte eine Aufnahme der Bordkamera eines amerikanischen Kampfhubschraubers vom 27. Juni 2007 in Bagdad für Aufsehen. Darauf ist zu sehen und zu hören, wie die Besatzung über den Abschuss einer Gruppe von Menschen debattiert. Nach einigem Hin und Her steht für die Crew fest, dass es sich bei der Ansammlung um eine Gefahr handeln muss. Dann betätigt der Pilot den Abzug. Mit lautem Gejohle feiern die Piloten tödliche Treffer. Außerdem werfen sie Kommentare ein, die man sonst eher von Killerspiele-Gamern gewohnt ist. Später stellt sich heraus, dass unter den Opfern zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters waren.

          Wikileaks hatte das Video bearbeitet und mit roten Pfeilen die zwei Mitarbeiter kenntlich gemacht. Dabei versäumte Wikileaks allerdings, auch die zwei bewaffneten Männer zu kennzeichnen, die Teil der Gruppe waren. Einer von ihnen trug eine Kalaschnikow, der Andere eine Panzerabwehrrakete – und stellte damit eine Bedrohung für den Hubschrauber dar.

          Für die breite Öffentlichkeit war das Video ein Schock. Fragen über die Vorgehensweise des amerikanischen Militärs kamen auf. Auch über den Charakter der amerikanischen Soldaten wurde debattiert. Wikileaks erreichte durch das Video einen weltweiten Bekanntheitsgrad.

          2. Diplomatische Depeschen

          Am 28. November 2010 begann Wikileaks mit der Veröffentlichung von für den internen Gebrauch bestimmter amerikanischer Depeschen. Darin ließen sich amerikanische Diplomaten über die Oberhäupter anderer Regierungen aus, darunter Angela Merkel. Während letztere noch glimpflich davon kam, attestierte der amerikanische Botschafter in Berlin dem damaligen Außenminister Guido Westerwelle Gedankengut von „wenig Substanz“. Die damalige amerikanische Außenministerin Hillary Clinton sprach von einem „Angriff auf die internationale Gemeinschaft“.

          Wikileaks habe außerdem durch die unzensierte Fassung „die Sicherheit von Personen einem Risiko ausgesetzt“, hieß es aus Washington. Mehr als hundert Klarnamen von Informanten und Gesprächspartnern amerikanischer Diplomanten waren auf diese Weise bekannt geworden. 

          Die Aktion löste eine öffentliche Diskussion über die Grenzen der Informationsfreiheit aus. Laut einer Befragung durch die ARD war eine deutliche Mehrheit der Deutschen der Ansicht, die Depeschen gehörten nicht in die Öffentlichkeit.

          3. Geheime Protokolle aus Guantanamo Bay

          Über Ostern 2011 hatte Wikileaks verschiedenen Medien mehr als 700 Dossiers aus dem Zeitraum von 2002 bis 2009 zugespielt, die zuvor vom Pentagon geheim gehalten worden waren. Die Unterlagen beinhalteten neben Protokollen von Gefangenenverhören auch Informationen über Verhörmethoden. So war unter anderem zu lesen, dass CIA-Agenten einem Gefangenen unter Gebrauch des so genannten „Waterboarding“ ein Geständnis über seine zentrale Rolle in der Vorbereitung zum 11. September abgerungen hatten.

          Präsident Obama hatte bei seinem Amtsantritt 2009 versprochen, das Gefangenenlager zu schließen, das bis heute in Betrieb ist. Allerdings sollen sich im Laufe der Zeit die Bedingungen gebessert haben, unter denen die Häftlinge dort einsitzen.

          Neben diesen drei großen Enthüllungserfolgen setzte Wikileaks auch Weltkonzernen, korrupten Regierungen und  religiösen Kulten zu. Das Gesicht der Organisation wurde Julian Assange, der zur Zeit in der ecuadorianischen Botschaft in London lebt. Ecuador hatte ihm Asyl gewährt, nachdem dem in England wohnhaften Assange die Auslieferung nach Schweden drohte. Dort hatten mehrere Frauen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegenüber dem gebürtigem Australier erhoben. Aus Angst vor einer weiteren Auslieferung von Schweden in die Vereinigten Staaten war Assange in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet.

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