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Wigald Boning : Vom Glück des Heimatlosen

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„Ich halte mich selbst für einigermaßen entwurzelt” - Wigald Boning Bild: dpa

Es gab ein Leben vor „RTL Samstag Nacht“, und es gibt eines danach. Im Interview spricht der TV-Nomade Wigald Boning über Heimatsender und Risikobereitschaft, die irre, glitzernde Fernsehwelt und Max Schautzer.

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          Es gab ein Leben vor „RTL Samstag Nacht“, und es gibt eines danach. Im Interview der F.A.S. spricht der TV-Nomade Wigald Boning über Heimatsender und Risikobereitschaft, die irre, glitzernde Fernsehwelt und Max Schautzer.

          Ihr Kollege Max Schautzer, der seit Mitte der sechziger Jahre bei der ARD gearbeitet hat, ist kürzlich am Telefon davon unterrichtet worden, daß er als Moderator der vom SWR produzierten Sendung „Immer wieder sonntags“ nicht mehr gebraucht wird, angeblich, weil er zu alt sei. Was finden Sie daran verblüffender: daß man ihn auf diese Art verabschiedet oder daß jemand fast vierzig Jahre lang bei ein und demselben Sender war?

          Es ist erst mal positiv festzuhalten, daß er überhaupt angerufen wurde. Ich habe manches Mal gar keinen Anruf bekommen, sondern aus der „Hörzu“ erfahren, daß die Sendung nicht mehr stattfindet. Von daher zeigt sich da doch noch ein fast nostalgisch anmutender Zug in der ARD, daß man den Leuten Bescheid sagt. Großartig fand ich diese Formulierung, die der SWR rausgab: Man wird sich bemühen, gemeinsam ein zu Max Schautzer passendes Format zu entwickeln. So ähnlich, wie sich RTL bemüht, etwas Passendes für Lisa Fitz zu finden.

          Das sind Floskeln, auf die man nichts geben darf?

          Würde ich die gemeinsam angedachten Formate, die ich zu Hause noch in Schriftform rumliegen habe, übereinander stapeln, dann wäre der Turm an die fünfzig Meter hoch. Die Differenz zwischen öffentlicher Ankündigung und der Umsetzung ist immer wieder spannender als die Sendung selber.

          Schautzer war ein Gesicht der ARD, so wie man Pilawa mit der ARD verbindet oder Jauch mit RTL. Wenn man Ihr Gesicht auf dem Bildschirm sieht, dann ist das kein gutes Indiz dafür, welchen Sender man eingeschaltet hat.

          Ja, stimmt. Tatsächlich bin ich zur Zeit eher senderfrei, wobei es eine besondere Affinität zu Sat.1 gibt. Ich störe mich nicht daran, daß mir ein Heimatsender fehlt, und habe schon als Zwanzigjähriger die These vertreten, daß es gut ist, alle drei Jahre den Arbeitgeber zu wechseln, damit man ein frisches „Hallo, jetzt komm' ich“-Gefühl entfachen kann.

          Dann waren Sie bei „RTL Samstag Nacht“ einst zu lang.

          Ja, deutlich zu lang. Wir hätten zwei Jahre früher aufhören sollen - wie wir im nachhinein wissen. Es gab einen Höhepunkt im zweiten, dritten Jahr, und die darauffolgenden Staffeln dienten höchstens dazu, die bereits saftfreie Zitronenschale vollständig zu zermalmen.

          Woher kommt Ihre Abneigung dagegen, sich fest an einen einzigen Arbeitgeber zu binden?

          Ich halte mich selbst für einigermaßen entwurzelt. Ich komme aus Wildeshausen, bin aber in Oldenburg aufgewachsen und der Sohn eines Vaters, der sich als Hobby-Philosoph sehr mit dem Begriff der Heimat auseinandergesetzt und familienkundliche Forschung betrieben hat. Mein Vater hat mir, der ich ja nun in Oldenburg aufgewachsen bin, immer erzählt, meine Heimat sei Wildeshausen, was sehr abstrakt ist - als ob ich mich in der Diaspora befände. Dann bin ich nach Bremen gezogen, von da nach Hamburg, dann hatte ich lange drei Wohnungen, in Hamburg, München und Berlin, später habe ich in Köln gewohnt, sogar mal in Hürth. Jetzt lebe ich auf dem Land, habe mir inzwischen aber wieder eine Wohnung in München zugelegt. Wahrscheinlich ist es auch eine Bindungsangst einer Gegend gegenüber. Ich kann mit dem regionalen Heimatbegriff also wenig anfangen. Parallel dazu habe ich aber auch keine Existenzängste dadurch, daß ich nicht an einen Sender gebunden bin.

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