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Wiedergänger : Silvio forever!

  • -Aktualisiert am

Italien macht sich auf eine Wiederkehr eines körperlich runderneuerten Berlusconi gefasst. Dessen Idee allerdings sind inzwischen fast so alt wie er selbst.

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          Attenzione, der Kaiman ist wiederaufgetaucht. Da hatten sich die Italiener gerade an den Abschied Silvio Berlusconis aus der Politik gewöhnt, da zieht es den alten Kämpen zurück ins Rampenlicht. 2013 will er wieder als rechter Spitzenkandidat in den Wahlkampf ziehen - „wie ein Gespenst, das man schon exorziert hatte“, so die Tageszeitung „Repubblica“ fast resigniert. Dabei dürften die Journalisten im wirtschaftlich gebeutelten Land die einzigen Beschäftigten sein, denen die Rückkehr Silvios einen Boom beschert. Sogleich kam Italien mit der markanten Gesichtsmaske des um vier Kilo leichteren, weil joggenden Expremiers auf die Titelseite der „New York Times“.

          Nie mehr Bunga-Bunga?

          Berlusconi, der im besten altrömischen Politikerjargon von Unternehmern, Kollegen, Anhängern flehentlich ins Joch zurückgerufen sein möchte, hat schon die üblichen Ideen im Gepäck: ein neues Parteisymbol in Gestalt eines grünweißroten Adlers, vielleicht gar einen neuen Parteinamen. Als Zeichen des moralischen Neuanfangs überredete er seine wohlgeformte Mundhygienikerin Nicole Minetti zum Abtritt aus dem lukrativen Amt einer lombardischen Regionalpolitikerin. Keine Bunga-Bunga-Nachrichten mehr, sondern ein solideres Image für den alten Mann. Doch die politischen Ziele klingen vertraut: ein reformiertes Wahlsystem, das seiner Gruppierung gute Chancen einräumt, und vor allem keine Steuererhöhungen. Das bringt Stimmen.

          Nie wieder Wunder?

          Wie dies am Rande des finanziellen Abgrunds gehen soll, darüber schweigt das Bilanzfrisiergenie Berlusconi lieber. Und während seine Vasallen vorsorglich in Bewunderungsschreie ausbrechen und jede Kandidatenwahl abblasen, weil es ja jetzt der Padrone selber macht, häufen sich in Rom die besorgten Anrufe anderer Regierungen: Wird dieser Mann die Arbeit von Monti wieder ruinieren? „Die Italiener glauben nicht mehr an Wunder“, wiegelt der alte Weggefährte und jetzige Widersacher Gianfranco Fini ab. Und selbst der rechte Bürgermeister von Rom, Alemanno, murrt, ein anderes Gesicht wäre ihm als Zeichen der Erneuerung lieber gewesen.

          Die Frische im Spätherbst

          Doch neue Gesichter - es sei denn operierte - passen einfach nicht zum System der italienischen Politpaten. Giulio Andreotti, der 1947 das erste seiner dreiunddreißig Regierungsämter antrat, sitzt mit dreiundneunzig noch immer munter im Senat. Der aktuelle Staatspräsident Napolitano ist dagegen gerade einmal siebenundachtzig Jahre jung. Und auch Premier Monti stellt mit fast siebzig keinen heurigen Hasen mehr dar. Kein Wunder, dass sich der Mittsiebziger Berlusconi mit seinem erwiesenen Hang zur - vor allem weiblichen - Jugend frisch und munter fühlt. Ob das alte Italien freilich seinen Tatendrang verkraftet?

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