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Wiederaufbau von Notre-Dame : Ein Dach von Gold oder Titan

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Fünf Jahre, so Emmanuel Macron, werde es brauchen, um die Brandwunden von Notre-Dame zu heilen Bild: Picture-Alliance

Mit Pool obendrauf? Der Wiederaufbau der teilweise abgebrannten Kathedrale Notre-Dame führt zu heftigen Debatten in Frankreich.

          5 Min.

          Der Großbrand von Notre-Dame de Paris hätte vermutlich vermieden werden können!“, zürnt Didier Rykner. „Dieses Drama hätte vermieden werden müssen!“, verstärkt Alexandre Gady noch. Der 57 Jahre alte Journalist und der 51 Jahre alte Historiker zählen zur Speerspitze von Frankreichs Denkmalschützern. Als Gründer der Internetzeitung „La Tribune de l’Art“ berichtet Rykner seit 2003 über Frankreichs Kunstwelt – mit einer spitzen Feder und einem investigativen Aufwand, den die großen Tageszeitungen des Landes sich nicht mehr leisten wollen oder können. Gady seinerseits ist nicht nur Inhaber des Lehrstuhls für moderne Architektur an der Pariser Sorbonne Université, sondern auch Präsident des 1901 gegründeten Vereins „Sites et Monuments“. In letzterer Funktion geißelt er, oft Hand in Hand mit Rykner, den Raubbau an Frankreichs Kunst- und Bauerbe.

          Was werfen die beiden dem französischen Staat vor, der neben Notre-Dame de Paris noch 85 weitere Kathedralen landesweit besitzt? Rykner moniert seit Jahren, dass die Sicherheitsauflagen für Bauarbeiten in denkmalgeschützten Gemäuern nicht hoch genug sind. „Ob man einen Plattenbau saniert oder eine Kathedrale restauriert, die Normen sind dieselben. Sie schreiben weder regelmäßige Wachrunden vor noch die geschützte Aufbewahrung entflammbarer Flüssigkeiten und Gase, die Installation wirklich effizienter Brandmelder in genügender Anzahl, die Bestimmung eines spezialisierten Unternehmens zum Gesamtverantwortlichen für die Arbeiten, um sicherzustellen, dass die diversen Berufskörper nicht unkoordiniert nebeneinanderher arbeiten.“ Neunzig Prozent der Brände in historischen Gemäuern brächen bei Bauarbeiten aus, kritisiert der Journalist im Gespräch.

          Kombination von Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit und Pech

          Gady hat seinerseits eine Liste der denkmalgeschützten Schlösser, Stadtpalais, Rathäuser und Kathedralen zusammengestellt, in denen seit dem Flammeninferno im Parlament von Rennes 1994 ein Brand ausgebrochen ist: „Praktisch jedes Jahr muss die Feuerwehr verhindern, dass ein Kleinod unseres Bauerbes als Aschehaufen endet.“ Die Liste sei schlicht zu lang, als dass man mit einem fatalistischen Achselzucken von unabwendbarem Pech sprechen könne. Was spezifisch Notre-Dame angeht, habe eine Kombination von Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit und Pech eine ähnlich fatale Verwicklungskette gezeitigt wie seinerzeit für einen als unsinkbar gepriesenen Ozeanriesen. „Die Titanic konnte nicht untergehen – und tat es eben doch.“

          So hat das Satireblatt „Le Canard enchaîné“ herausgefunden, dass am Vierungsturm der Kathedrale, wo der Brand ausgebrochen ist und wo seit dem 11. April Restaurierungsarbeiten im Gang waren, Arbeiter zu rauchen pflegten. Für Gady und Rykner ist das ein krasses Fehlverhalten – und ein klarer Grund, dem zuständigen Unternehmen die Lizenz zu entziehen. Doch bilden derlei Zigarettenpausen keinen Einzelfall: Die ohnehin zu niedrigen Sicherheitsnormen werden vielmehr geläufig missachtet. „Kaum jemand schert sich um die vorgeschriebenen Prozeduren“, klagte ein Brandexperte gegenüber der Presseagentur AFP, „weder bei den Unternehmen noch bei den Versicherungen. Was man auf manchen Baustellen zu sehen bekommt, lässt einem die Haare zu Berge stehen.“

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