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John Lennons Nachlass : Der Chauffeur

  • -Aktualisiert am

Yoko Ono hat die Echtheit der Funde bestätigt - den Diebstahl habe sie zunächst aber gar nicht bemerkt, heißt es. Bild: dpa

Der Fund von John Lennons gestohlenen Tagebücher habe Yoko Ono „sichtlich bewegt“, heißt es. Der Dieb ist ein alter Bekannter der Witwe - und hat ihr das Leben vor einiger Zeit schon einmal schwer gemacht.

          Diese Räuberpistole hat sich niemand ausgedacht. Sie entspringt der sogenannten Wirklichkeit, die, wie Woody Allen erkannt hat, das schlechte Fernsehen imitiert; aber selbst in einer miesen Fernsehserie wäre das, was hier zu erzählen ist, immer noch ein Tiefpunkt. Vor elf Jahren stand in New York der türkische Chauffeur von Yoko Ono, der Witwe John Lennons, vor Gericht, ein damals fünfzigjähriger Mann, der behauptete, die damals dreiundsiebzigjährige Ono hätte eine Liebesaffäre mit ihm begonnen und dadurch seine Ehe zerstört.

          Als Entschädigung dafür und als Lösegeld für diverse Dokumente, die er aus dem Apartment von Lennon und Yoko Ono am Central Park entwendet hatte und deren Veröffentlichung, wie er schrieb, „die Welt schockieren“ würden, verlangte er zwei Millionen Dollar. Im Februar 2007 endete der Prozess mit der Freilassung des Angeklagten, dessen Untersuchungshaft auf die Strafe wegen Diebstahls angerechnet wurde. Das ist der eine Zipfel der Geschichte. Der andere kam gestern im Berliner Polizeipräsidium zum Vorschein, wo einer erstaunten Öffentlichkeit drei Tagebücher, ein Schulheft, zwei runde Brillen samt Etui – in einer steckte noch das Rezept des behandelnden Augenarztes vom 12. Mai 1978 – und andere Inkunabeln aus dem Nachlass John Lennons vorgeführt wurden.

          Ein unbemerkter Diebstahl

          Die Ermittler hatten die Gegenstände in der Konkursmasse eines Online-Auktionshauses entdeckt, das Anfang des Jahres pleitegegangen war. Der Pleitier selbst hatte sie, zusammen mit etwa achtzig anderen Stücken, im Oktober 2014 gegen erklecklichen Vorschuss von einem türkischstämmigen Deutschen und dessen türkischem Geschäftspartner angenommen. Dieser Partner nun, teilte die Berliner Polizei mit, ist niemand anders als der oben erwähnte, inzwischen in der Türkei lebende Ex-Chauffeur Yoko Onos. Die beiden Reliquienverkäufer in spe hatten sich durch ein Immobiliengeschäft kennengelernt und offenbar nach reiflicher Überlegung beschlossen, die Lennon-Memorabilien auf den Markt zu bringen.

          Als die Polizisten den Wagen des inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden deutschen Hehlers – der Ex-Chauffeur weilt, vorerst ungreifbar, in der Türkei – durchsuchte, fand sie im Reserveradkasten ein weiteres Konvolut mit Besitztümern Lennons. Die Staatsanwaltschaft ließ sämtliche Objekte fotografieren und legte die Aufnahmen Anfang November im deutschen Konsulat in New York der inzwischen vierundachtzigjährigen Yoko Ono vor.

          Die Witwe, hieß es gestern, sei „sichtlich bewegt“ gewesen und habe die Echtheit der Funde bestätigt. Kein Wunder: Das letzte Tagebuch stammt von 1980, die letzte Eintragung darin vom 8. Dezember. Sie berichtet vom Besuch der Fotographin Annie Leibovitz, die an jenem Morgen das berühmte Foto von Yoko Ono und dem nackten John machte, wenige Stunden bevor Lennon vor dem Eingang zum Dakota Building von dem Attentäter Mark David Chapman erschossen wurde. Offenbar, so vermuten die Ermittler, hat Ono das Fehlen der Tagebücher, Brillen et cetera erst einige Zeit nach dem Diebstahl bemerkt. Nun ruhen sie bis Prozessbeginn in einer Asservatenkammer der Berliner Staatsanwaltschaft. So endet die Geschichte. Wir aber wünschen allen Beteiligten, dass sie, im Gefängnis oder wo auch immer, die Zeit finden, sich mal wieder ein paar alte Songs von John Lennon anzuhören. Come together!

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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